Der Toyota Mirai – ein Brennstoffzellenfahrzeug im Test

Der japanische Autohersteller Toyota hatte 2015 noch den Mirai (auf Deutsch: „Zukunft“) in Handarbeit produziert (wir berichteten). Damit war es die erste Stufenhecklimousine der oberen Mittelklasse mit Wasserstoff-Antrieb. Auf der Tokio Motor Show 2019 wurde die zweite Generation Mirai der Öffentlichkeit vorgestellt. Drei Jahre nach unserer ersten Berichterstattung hatte ich jetzt die Möglichkeit, den Mirai, zugelassen im November 2018, im Alltag zu testen.

Es ist schon spannend, was auf dem deutschen Markt in Sachen Brennstoffzellenfahrzeuge passiert, nämlich sehr wenig bis nichts. In Berlin gibt es vier Wasserstofftankstellen. Es ist also kein Wunder, dass der Mirai im Berliner Straßenverkehr nicht viel zu sehen ist. Vielleicht liegt es aber auch an seinem Kaufpreis.

Was der Käufer wissen sollte

Der Mirai, ein Mittelklassefahrzeug, fährt mit einer Länge von 4.89 Meter, einer Breite von 1.81 Meter, einer Höhe von 1.54 Meter und einem Radstand von 2.78 Meter. Gefahren wird der Mirai mit einem Elektromotor (AC-Synchronmotor), einer Brennstoffzelle (Typ Polymer-Elektrolyt), zwei Wasserstofftanks mit ca. 700 bar Arbeitsdruck und einer Systemleistung von 113 kW (154 PS). Der Preis pro Kilogramm Wasserstoff liegt zurzeit deutschlandweit bei 9.50 Euro. Mit einer Tankfüllung von fünf Kilogramm und einem Verbrauch von 0,76 Liter auf 100 Kilometer (Werksangabe) sollten bei einem vollem Tank 500 Kilometer Laufleistung erreicht werden.

Die Ausstattung ist sehr komfortabel. Dazu gehören u.a.: Bi-LED-Scheinwerfer mit LED Tagfahrlicht, Heckleuchten mit LED-Technik und dynamisches Bremslicht, Klimaautomatik, beheizbares Lederlenkrad, Einparkhilfe, Multimedia-Audiosystem Toyota Touch mit Rückfahrkamera, Navigationssystem Toyota Touch&Co Plus mit innovativen Google-Funktionalitäten, Sprachsteuerung und Text-to-Speech-Funktion. Der Kaufpreis beträgt 78.600 Euro.

Der Alltagstest

Alle schreiben, der Mirai schafft mit einer Tankfüllung 500 Kilometer mühelos. Die Anzeige im Fahrzeug zeigt mir leider nach dem Volltanken eine Laufleistung von 353 Kilometer bis zum nächsten Tankvorgang an. Das kann an der Zapfsäule liegen, die statt fünf Kilogramm nur 3,66 Kilogramm für 34.77 Euro befüllt hat! Da auch das Navigationssystem im Fahrzeug keine Hinweise zum aktuellen Stand der H2 Tankstellen anzeigte, beschloss ich, keine größeren Fahrten durchzuführen, sondern blieb im Umfeld Berlins. Einige Fahrer empfahlen mir eine App für mein Smartphone, die mir genau anzeigen kann, wo sich Tankstellen in Deutschland befinden und, ganz wichtig, die in Betrieb sind. Das Tanken funktioniert mit der vorhandenen Tankkarte mit Pin relativ simpel. Die Wasserstoffsäule ist selbsterklärend. Es kann jedoch passieren, dass nicht genug Druck auf der Anlage ist und die Behälter im Fahrzeug nicht ganz voll werden, was mir auch einige Kollegen bestätigten.

Wer Elektrofahrzeuge kennt, wird auch beim Mirai keinen Unterschied feststellen. Startknopf drücken, Wahlhebel auf „D“ stellen und lautlos vom Hof fahren. Beim Tritt auf das Gaspedal fährt der Mirai flott los und man merkt kaum einen Unterschied zu einem konventionellen Antrieb. Bei jedem Kaltstart knarrt jedoch die rechte Achse. Fährt man dann rund einen Kilometer, hört das Knarren auf. Möglicherweise liegt das daran, dass der Mirai bereits 19.000 Kilometer gefahren wurde.

Die zwei Wasserstofftanks befinden sich unter dem Rücksitz und im Heckbereich. Da sich die Rücksitze nicht umklappen lassen, bleibt das Kofferraumvolumen mit 361 Litern für die Mittelklasse-Limousine sehr eingeschränkt. Große Einkäufe müssen daher geplant werden.

Fazit

Ich finde das Außen- und Innendesign sehr auffällig. Die großen seitlichen Lufteinlässe und die markanten LED-Scheinwerfer an der Front des Mirai sind ein Hinkucker. Der Innenraum überzeugt durch die übersichtlichangeordneten Bedienelemente im Cockpit, die Rückfahrkamera liefert eine gute Auflösung.

Solange es in Deutschland kein ausreichendes Tankstellennetz gibt, ist der Mirai ein Pionier in der alternativen Antriebstechnik. Gegenüber Benzin- und Dieselfahrzeugen ist der Mirai beim Tanken nicht günstiger, das hängt auch zurzeit von der aufwändigen Herstellung des Wasserstoffes ab. Die Technik im Fahrzeug konnte überzeugen. Durch den hohen Anschaffungspreis bleibt der Mirai für mich ein Exot.

von RR