Der Seat Tarraco zwischen Wüste und Großstadtdschungel

Nach dem Seat Ateca (kleiner SUV, Testbericht hier nachlesen) gibt es jetzt den Seat Tarraco (großer SUV). Während der Testphase auf Berliner und Brandenburger Straßen erreichte mich eine Pressemitteilung von Seat Deutschland: „Mit sechs Praxistipps für den echten Offroad in der marokkanischen Merzouga-Wüste!“. „Toll“, dachte ich. „Was will mir Seat damit sagen und wo finde ich in Berlin oder Brandenburg 100 Meter hohe Dünen mit weichem Sand und 60 Grad Steigerung?“ Unabhängig von diesen Informationen zum neuen SUV-Flaggschiff führte ich abseits der Feldwege meine Testfahrten durch. Hier ist das Ergebnis:

Ausstattung des Testfahrzeuges

Mit der Markteinführung Anfang 2019 erweiterte Seat sein Portfolio mit einem großen SUV. So wurde der neue Tarraco nach der Stadt Tarragona in der spanischen Region Katalonien benannt.

Angeboten wird der Tarracon in zwei Ausstattungsvarianten XCELLENCE und Style. Mit seinen Außenmaßen (4.74 Meter Länge, 1.84 Meter Breite und 1.66 Meter Höhe) ist der Tarraco ein unauffälliges Designfahrzeug.

Der Seat Tarraco 2.0 TDI 4Drive (140 kW /190 PS) mit 7-Gang-DSG in der Ausführung „Xcellence“ kostet in der Basisausstattung 43.800 Euro. Kommen wie beim Testfahrzeug noch zahlreiche Sonderausstattungen wie z.B.: Leder-Paket 1.500 Euro, Panorama-Glas-Schiebedach 1.145 Euro, Standheizung 1.050 Euro, Navigationssystem Plus 1.140 Euro, Top View Kamera 575 Euro, Fahrassistenz-Paket 510 Euro hinzu, sind wir bei einem Endpreis von 54.964 Euro. Ein stolzer Preis für einen spanischen Autohersteller.

Der Alltag

Der spanische Autohersteller und besonders der Seat Designchef, Alejandro Mesonero-Romanos, sind auf die Ausstrahlung der Frontpartie und die ausgewogenen Proportionen des sportlichen Designs besonders stolz.

Aus diesem Grund werfe ich einen ersten Blick auf den neuen SUV. Denn bis heute ist das Design der Kaufgrund Nummer eins. Die Frontpartie mit dem markanten Kühlergrill und die Voll-LED-Scheinwerfer mit ihrer dreieckigen Lichtsignatur sind die auffälligsten Designelemente am Fahrzeug. Im Innenraum (als Fünf- oder Siebensitzer) wird dagegen durch die Anordnung der Armaturentafel und die hochwertige Verarbeitung ein Gefühl der Geräumigkeit vermittelt. Die Sportkomfortsitze laden zur ersten Fahrt ein. Da ich beim Tarraco keinen Schlüssel benötige, startete ich den Motor mit dem Startknopf.

Dank des Hinweises von Seat, dass der Tarraco in der Wüste mit seinen zahlreichen Fahrassistenten seine Bewährungsprobe bestanden hat, konnte ich also beruhigt sicher in Berlin unterwegs sein. Dumm nur, dass wir im Juni Wüstentemperaturen hatten. 39 Grad Außentemperatur und durch die schwarzen Ledersitze eine gefühlte Raumtemperatur von über 50 Grad im Fahrzeug. Ohne die 3-Zonen-Klimaanlage wäre ein Losfahren und ein schnelles Abkühlen des Innenraumes unmöglich.

Positiv für den Fahrer ist das digitale Cockpit mit seinem 10,25-Zoll-Display und dem 8-Zoll-Infotainment-System. Hier kann ich durch Android Auto und Apple CarPlay mein Smartphone mit dem Fahrzeug verbinden. In der Welt der ständigen Vernetzung immer online erreichbar zu sein, ist nicht mehr wegzudenken.

Mit dem starken 2.0 TDI (Dieselmotor) mit einer Leistung von 140 kW / 190 PS bin ich auch mit dem Allradantrieb in Berlin schnell und sicher unterwegs. Das 7-Gang-DSG Getriebe schaltete bis zu einer möglichen Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h (Werksangabe) für den Fahrer unbemerkt. In den Unterlagen von Seat werden acht Sekunden für eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h angegeben. Diesen Wert kann ich nicht bestätigen. Beim Starten an der Ampel hatte ich leider öfters das Gefühl, dass der Diesel noch Zeit braucht, um sich warm zu laufen. An den 1816 Kilogramm Leergewicht kann es nicht gelegen haben.

Durch die im Volkswagen Konzern angewandte MQB-A-Architektur besitzt auch der SUV von Seat einen langen Radstand (2.790 mm) und sichert dadurch ein komfortables Reiseerlebnis nicht nur für die Insassen, sondern auch für mich als Fahrer. Durch die Einstellungen „Normal, Eco und Sport“ konnte ich die Fahrweise an die Straßenverhältnisse und an meine Anforderungen anpassen.

Die im Stadtverkehr gefahrenen Testkilometer ergaben einen Verbrauch (kombiniert) von 8,6 Litern auf 100 Kilometer, gegenüber der Werksangabe von 5,6 Litern (kombiniert nach ECE).

Mit dem Tarraco ging es bequem zu sportlichen Veranstaltungen und zum Wochenendeinkauf. Der Kofferraum kann durch Umklappen der Rücksitze von 230 auf 700 Liter erweitert werden. Die elektrisch öffnende Kofferraumklappe war auch hier sehr hilfreich.

Fazit

Der Seat Tarraco in der Ausstattung „Xcellence“ besitzt bereits eine umfangreiche Serienausstattung, so dass auf einige Sonderausstattungen verzichtet werden kann. Auf der Straße und auf der Autobahn spult der Tarraco sicher und zuverlässig seine Kilometer runter. Die optionalen Fahrassistenzsysteme, die auch in der Wüste erprobt wurden, verleihen dem SUV noch einen zusätzlichen Sicherheitscharakter. Bleibt nur die Frage offen, wer das im Großstadtdschungel braucht.

von RR