Mit dem Renault ZOE unter Strom

Die Bundesregierung fordert von den Autounternehmen die Entwicklung von elektrisch betriebenen Fahrzeugen und will bis 2020 eine Million E-Fahrzeuge auf deutschen Straßen fahren sehen. Auch die staatliche Förderung von 1.500 Euro soll helfen, das Ziel zu erreichen. Viele Unternehmen aus dem Ausland bieten zusätzliche finanzielle Unterstützungen beim Kauf an. So spendiert Renault beim Kauf eines ZOE noch 3.500 Euro. Damit würde mein Testfahrzeug im Ausstattungsniveau „Intens“ anstelle von 23.300 Euro nur noch 18.300 Euro (ohne Lithium-Ionen-Batterie) kosten. Ein toller Preis, aber ist der Renault ZOE auch alltagstauglich? Das wollte ich in Berlin testen und war an manchen Tagen selbst unter Strom.

Optisch ist der 4.08 Meter lange, 1.73 Meter breite und 1.56 Meter hohe ZOE nur durch kleine Details im Straßenverkehr auffällig. Kurze Motorhaube mit LED-Tagfahrlicht und schmale Bi-Halogen-Scheinwerfer, die sich in der Mitte beim ausklappbaren Renault–Logo (dahinter verbirgt sich die Ladesteckdose) treffen. Die prägnanten Radhäuser, die verborgenen Türgriffe an den Hintertüren und das tropfenförmige Heck machen den ZOE unverwechselbar. Die blau getönten Scheiben des Fünftürers runden den Auftritt ab.

Ausgezeichnet ist das Raumangebot im kompakten Kleinwagensegment mit 2,58 Metern Radstand auf allen fünf Plätzen. Das Cockpit zeichnet sich durch klare Linien aus. Die TFT-Instrumententafel liegt im Blickfeld des Fahrers und zeigt die wichtigsten Informationen an. Rechts daneben befindet sich der 7-Zoll-Touchscreen-Monitor für das Online-Multimediasystem Renault R-Link Evolution. Per Lenkradfernbedienung oder Sprachsteuerung oder direkt auf dem Touchscreen lassen sich Radio, Navigationssystem, Apps oder die notwendigen Fahrzeuginformationen anzeigen.

Die Lithium-Ionen-Batterie wurde unterflur eingebaut und ist somit gegen Front- und Heckaufprall besonders gesichert. Aus diesem Grund geht das nicht zu Lasten des Kofferraums. Im ZOE stehen 338 Liter Kofferraumvolumen zur Verfügung. Durch das Umklappen der nichtgeteilten Rückbank kann die Ladekapazität auf 1.225 Liter erweitert werden. Mit diesem Fassungsvermögen konnte ich meine Fahrten zum Einkaufen super bewältigen. Ein weiterer Vorteil liegt im Fahrgeräusch. Ein lautloser Start, unbemerktes Fahren vom Hof. Die Fahrt genießen bis zu einer Geschwindigkeit von knapp 60 km/h. Danach werden Roll- und Fahrgeräusche spürbar lauter, aber das Radio etwas lauter gedreht und alles ist wieder in Ordnung.

Unter der Motorhaube verbirgt sich der neu entwickelte Elektromotor mit einer Leistung von 65 kW/88 PS und einem Drehmoment von 220 Nm. Die flache Lithium-Ionen-Batterie verfügt über eine Kapazität von 65 Ah und einer 400 Volt Gesamtspannung. Der Elektromotor gibt im normalen Fahrbetrieb seine volle Kraft ab und beschleunigt das Fahrzeug wie ein Benzin- oder Dieselmotor der gleichen Leistungsklasse. Im ECO-Modus wird dies aus Spargründen etwas reduziert. Erlernen kann der Fahrer das in einem extra eingerichteten Fahrmodus und kann zusätzlich den Verbrauch auf der TFT-Instrumententafel verfolgen. Seine Höchstgeschwindigkeit erreicht der ZOE bei 135 km/h und ist zusätzlich elektrisch abgeriegelt.

Laut Werksangabe soll die Batterie eine Reichweite von 240 Kilometer ermöglichen. Bei der Übergabe des Fahrzeuges war die Batterie voll aufgeladen und mir wurde eine Reichweite von 189 Kilometer angezeigt. Möchte man nur kurze Strecken fahren, ist dies kein Problem. Die Sorgen beginnen erst dann, wenn nur noch eine angezeigte Fahrleistung von 25 Kilometern besteht und die Suche nach einer freien Stromversorgung losgeht. RWE hat eine Internetseite, wo die E-Säulen angezeigt werden. Also los zum Berliner Alexanderplatz, wo an drei Stellen freie Säulen stehen. Toll, alles besetzt. Weiter zur nächsten am Potsdamer Platz. Wieder alle belegt oder zugeparkt, denn es gibt hier die ersten Laternenmasten, wo freies Stromtanken möglich wäre, wenn die Parkfläche nur für E-Fahrzeuge gekennzeichnet sein würde. Endlich hatte ich eine freie Säule gefunden, ich selbst war jetzt schon „unter Strom“. Kabel raus (400-Volt-Drehstrom) und angeschlossen und die fast leere Batterie in einer Stunde auf 80 Prozent geladen, dachte ich, wenn die Säule Strom geliefert hätte. Unter Strom bin ich dann nach Hause, immer den Blick auf die Anzeige gerichtet. Zum Glück funktioniert mein Hausstrom (230 Volt). Leider dauerte die Ladung dann etwas über 10 Stunden. Alltagstauglichkeit sieht anders aus.

Aber das soll sich ja mit dem neuen Renault ZOE ab Januar 2017 ändern. Auf dem Pariser Autosalon wurde im September 2016 der ZOE mit einer 40-Batterie und einer Laufleistung von 400 Kilometern vorgestellt. Der Renault ZOE in der Ausstattung „Intens“ (wie mein Testfahrzeug) kostet 26.700 Euro, abzüglich der staatlichen Förderung. Seit dem 1. Oktober 2016 bietet Renault die Batterie für 8.000 Euro inklusive einer achtjährigen Garantie oder 160.000 Kilometern auch zum Kauf an. Dem Kunden bleibt die Möglichkeit, die Batterie zu mieten. Dafür bietet Renault zwei Tarife für die 40-Batterie mit 41 kWh an (Flex-Tarif für 69 Euro pro Monat und Unlimited für 119 Euro pro Monat).

Fazit: Um die Alltagstauglichkeit zu sichern, sollte die Regierung die Infrastruktur herstellen, ein Laden muss überall an jedem Ort und zu jeder Zeit möglich sein. Zur Zeit gibt es in Deutschland über 70 Karten- und Bezahlsysteme. Man kann nicht nur von Umweltbewusstsein reden, man muss auch die Grundlagen dafür schaffen.
Die Technik, die Sicherheitsausstattung, der Fahrkomfort und der Kaufpreis überzeugten mich beim Renault ZOE. Mehr davon auf Berliner Straßen.

von RR