Das Lächeln des Barrakuda im Schlosspark Theater Berlin

„Hilary Clintons Lächeln ist einmal mit dem eines Barrakuda verglichen worden“ lächelt Esther Vilar zur Begrüßung.

Staatsbankrott, Umweltzerstörung, marode Sozialsysteme – die Gesellschaft ist am Ende. Immer mal wieder… Der Präsidentschaftskandidat Frank Marvin will das ändern. Und wird dabei von seiner Frau Deborah unterstützt, einer brillanten Anwältin. Soweit, so Clinton.

Die Nominierung ist greifbar nahe, da zwingt eine Bettgeschichte den Kandidaten zum Rücktritt. Letzte Chance wäre eine öffentliche Erklärung seiner Frau: Nur wenn sie ihm verzeiht, könnte er es noch ins Weiße Haus schaffen. Parallelen zum „Phall“ Clinton kommen einem da nicht rein zufällig ins Gedächtnis.

“Ich könnte mir vorstellen, dass sie gute Chancen hat, ins Weiße Haus zu kommen“ meint die Autorin. Ein Duell beginnt alsbald. Es eröffnet den Blick auf die Fassade von Politik und Moral – und in den Abgrund einer Liebe.

Uraufgeführt wurde „Das Lächeln des Barrakuda“ von Esther Vilar im Juni 1994 im Wiener Theater in der Josefstadt. Unter der Regie von Otto Schenk glänzten damals Angelica Domröse und Hilmar Thate. Zwei Jahre später kamen sie mit dem Stück auch als Gastspiel ans Berliner Renaissance Theater.

Im Schlosspark Theater ist diesmal Eleonore Weisgerber die machtbesessene Gattin, füllt ihre Rolle gut aus, wenn sie mal kratzbürstig, mal verheult und dann doch höchst eigennützig schnurrend über die Steglitzer Bühne gleitet.

Es ist ein Abend für den Feminismus in seiner besten Form. Da hat „er“ inhaltlich kaum etwas entgegenzusetzen. Ulrich Gebauer gibt den machtbesessenen Daddy. Ihn kennt man u.a. aus der RTL Serie „Der Lehrer“. Den beiden zuzusehen beim oft doppelbödigen Spiel macht einfach Spaß.

Die Frau als Zünglein an der Waage, das „schwache“ Geschlecht in mächtiger Position – das ist eine Geschichte ganz nach dem Geschmack von Esthar Vilar. Die Argentinierin lebt heute in London und ist vor allem den Älteren bekannt durch Streitschriften wie „Der dressierte Mann“ und ein Dutzend Bühnenwerke.

Speziell für die Inszenierung am Schlosspark Theater wurde das Stück von Esther Vilar noch einmal aktualisiert. Sie kam auch zu den Proben ans Schlosspark Theater. „Manchmal ist es ganz gut, wenn der Autor bei den Proben dabei ist. Aber hier ist alles mit viel Phantasie inszeniert“ freut sich Vilar.

Nach der Schließung der Staatlichen Bühnen Schiller – und Schlosspark in den 90er Jahren war sie schon einmal am Steglitzer Haus interessiert. Auf ganz andere Art… „Vor vielen Jahren gab es eine Initiative, deutschsprachige Bühnenautoren die Leitung des Schlosspark Theaters übernehmen zu lassen. Rolf Hochhuth war auch dabei“ erinnert sie sich. „Das zerschlug sich dann aber.“

Heute liege das Theater „in allerbesten Händen”, freut sich Esther Vilar und ist gespannt, wie ihr Stück vom Publikum angenommen wird. „Dass Frauen heute auch in hohe Ämter kommen, das wird Auswirkungen haben – auf alle Bereiche. Und die Männer“ da ist sich Esther Vilar sicher.

Ihr Text birgt manch bekannte Lektion über sensationsgierige Medien, männliche Machtbesessenheit und bekannte Gemeinplätze: dass sich hinter Politikerlächeln oft ein kaputtes Privatleben verbirgt. Bei ihr sind beide Kontrahenten verwundet: vom Kampf und vom Kämpfen. Ein sehenswertes Zwei-Personen-Stück – auf dem Spielplan des Schlosspark Theaters in Steglitz.

von G.Gerson