Jörg Schüttauf in „Misery“

Zur Begrüßung liegt Jörg Schüttauf im Bett, steht dann aber auf und – humpelt zur Garderobe. So fällt der Blick auf sein blutverschmiertes Bein, das geschient ist. Gruselige Dinge müssen passiert sein – näheres erfährt der Zuschauer im Stück „Misery“ nach Stephen King! Ab Ende November im Schlosspark Theater in Berlin-Steglitz.

Oder man blättert zur Vorbereitung in Kings Roman „Sie“: Jörg Schüttauf spielt den erfolgreichen Romanautor Paul Sheldon. Der gerät auf dem Heimweg in einen Schneesturm, kommt mit dem Auto von der Straße ab und wird schwer verletzt. Die ehemalige Krankenschwester Annie rettet Paul aus dem Auto und nimmt ihn mit zu sich nach Hause. Sie ist ein Fan von Pauls Romanen – aber als sie bei ihm ein fertiges Manuskript findet, in dem er seine Romanheldin sterben lässt, gefällt ihr das so gar nicht. Sie nutzt aus, dass sie den Autor in ihrer Gewalt hat: brutal will sie ihn mit allen Mitteln zwingen, den Schluss zu ändern.

Jörg Schüttauf, der vielbeschäftigte Schauspieler, spielt auch immer wieder Theater, ist aber hauptsächlich durch Film und Fernsehen bekannt geworden: noch zu DDR Zeiten dreht er bei der DEFA „Ete und Ali“, das ist ziemlich genau 30 Jahre her! „Als Student der Leipziger Theaterhochschule hatte ich das Glück, diesen Film mit 21 Jahren machen zu können.“ Schüttaufs Erinnerung ist noch ganz präsent an die Handlung: „Sensibelchen trifft Haudegen und zeigt ihm, wie die Welt geht.“ Noch heute wird der Film von Peter Kahane hier und dort gezeigt. Und wenn Schüttauf Zeit hat, ist er dabei.

Wir kommen auf den Tag des Mauerfalls zu sprechen – am 9.November 1989 fuhr er mit seiner Freundin per Bus auf Schleichwegen von Potsdam – dort hatte er ein Theaterengagement – nach Berlin Wannsee. Noch bevor die Glienicker Brücke dann am 10. November geöffnet wird. Zu dieser Zeit sollte er am Deutschen Theater spielen. „Aber die hatten mich wohl einfach vergessen in dem Trubel, und es stellte sich heraus, dass der neue Intendant mit mir nichts anfangen konnte.“ Durch Zufall bekommt er dann aber einen Vorsprechtermin bei einer Fernsehproduktionsfirma. „Ich saß da mit einem gewissen Dieter Pfaff zusammen.“

Es folgten vier Jahre als „Fahnder“ in der ARD Vorabendserie. Und damit eine Routine vor der Kamera, die er heute nicht missen möchte. Vorher dreht er noch in der Nachwendezeit mit Thomas Jacob den Polizeiruf „Mit dem Anruf kommt der Tod“ – da spielt er eindrucksvoll den „kleinen Mann“ – ein Rollentyp, den er mag. „Ich kann auch gern mal der Held sein, aber an so gescheiterten Typen habe ich großes Vergnügen.“ Eine der Fahndungsmethoden in diesem „Polizeiruf“ ist ja das Abhören von Telefonen… „An und für sich wollte man diesen Polizeiruf schon früher drehen“ erinnert sich Jörg Schüttauf lachend. „Aber in der DDR gab es ja kein Abhören von Telefonen …“ grinst Schüttauf.

Vor dem Stempel des Serienschauspielers rettet ihn dann nach vier Jahren „Fahnder“ die Tatsache, dass er mit Egon Günther 1992 „Lenz“ gedreht hatte. Hier kann er als mit Goethe befreundeter und dann fallengelassener Dichter zeigen, wie breit seine schauspielerische Palette ist. „Denn es kamen dann auch endlich wieder Angebote für ernsthafte Rollen, weil wohl junge Regisseure diesen Film gesehen hatten.“ Denn an und für sich findet er die Rolle des Kommissars ziemlich langweilig – dieses dauernde: „Hände hoch, wo waren sie gestern…“ Was ihn nicht hindert von 2002 bis 2010 für den Hessischen Rundfunk der Ermittler Fritz Dellwo im „Tatort“ mit Andrea Sawatzki zu sein.

„Manchmal hat man in unserem Beruf so einen Lauf – oder ein Tal“ sinniert Schüttauf „das ist halt so.“ Für ihn ist das Team wichtig, natürlich das Buch – ja und der Spaß sollte auch nicht zu kurz kommen… Deshalb freut sich Jörg Schüttauf auf seine Theaterarbeit mit Franziska Troegner im Schlosspark Theater in „Misery“. Sein Motto heißt immerhin: „Ich muss spielen, sonst versacke ich…“

von Götz Gerson