Im Interview mit Elisabeth Trost, Illustratorin und Designerin

Elisabeth Trost ist als selbstständige Illustratorin tätig. Mit ihrem verträumten Zeichenstil zaubert sie ein Lächeln auf das Gesicht des Betrachters. In diesem Interview verrät uns die junge Künstlerin mehr über sich und ihre Arbeiten.

Welche Farben würden deine jetzige Stimmung beschreiben?
Rot-Orange

Wie läuft das bei dir ab, wenn Kunden etwas bei dir bestellen? Richtest du dich eher an Privat- oder Firmenkunden?

Sowohl als auch. Hauptsächlich sind meine Kunden Privatpersonen, aber das liegt daran, dass sie leichter über die sozialen Medien zu erreichen sind als Firmen. 
Bei Auftragsarbeiten meldet sich ein Kunde bei mir und beschreibt seine Vorstellungen, danach mache ich ein Angebot. Eigentlich bin ich sehr entgegenkommend, wenn ein Kunde bereit ist mehr zu investieren, dann wird die Arbeit aufwendiger. Gerade Privatkunden können oft nicht das ausgeben, was sie gerne würden, also passe ich das Bild dann der Summe an. Es wird dann weniger detailliert, weniger aufwendig. Bei fertigen Produkten (z.B. Postkarten) ist alles viel einfacher; da wird eine normale Bestellung aufgegeben und auch so bearbeitet.

Du hast ein Buch herausgebracht, indem du Anleitungen speziell für Aquarell-Malerei gibst. Kannst du uns einen Crash-Kurs in die Einführung der Aquarell-Malerei geben?

Leider nein, dafür ist das Medium zu komplex. Auf der ChisaiiCon in Hamburg hab ich bereits einige 1-stündige Workshops gegeben, aber das reicht gerade mal, um das Material in Grundlagen zu erklären. Und bei Aquarell ist das Material unglaublich wichtig, schlechte Materialien führen zu schlechten Ergebnissen. Aber da geht es schon weiter, nur durch Ausprobieren kann man herausfinden, was für einen selbst gutes Material ist. Jeder bevorzugt etwas anderes an Farben oder Papier. Aber sagen kann ich, dass es ein sehr intuitives Medium ist, man braucht etwas Übung, um sich darauf einzustellen. Gerade Leute, die vorher mit Copics coloriert haben, haben oft am Anfang ziemliche Probleme, weil die Farbe nicht einfach aufgetragen wird, man baut sie eher auf – mit hellen Schichten und steigert sich dann. Ein gleichmäßiger Farbauftrag ist schwierig und auch unüblich. Das Medium lebt davon, dass man es mitarbeiten lässt. Das Buch zu schreiben war eine echte Herausforderung. Beim Arbeiten denke ich bestenfalls noch über den Farbton nach, aber sonst arbeite ich ohne mir Gedanken zu machen wie ich das mache. Und nun sollte ich es beschreiben? Anscheinend ist mir das ganz gut gelungen, die Kritiken der Leser waren bisher sehr positiv. 🙂

Wie viele Stunden arbeitest du an einer Illustration?
Das schwankt enorm. Von 30 Minuten für kleine Arbeiten bis zu mehreren Stunden und Tagen. Die Coloration für mein Buchcover hat ca. 6 Stunden gedauert, an der Umsetzung eines Märchenbildes (mit Übertragung auf das richtige Papier und Lines ziehen) habe ich bei den aufwendigen Bildern einen Tag gebraucht. Das Ausarbeiten von Großmotiven nimmt viel Zeit in Anspruch, weil ich Kostüme ausprobiere und wieder wegradiere, sich die Proportionen verändern, wenn man Kleidung anzieht, viele Kleinigkeiten, die sich dann summieren.

Welche Anforderungen werden an heutige Illustratoren gestellt?
Professionalität, Kreativität und Ideenreichtum. Man muss sehr hartnäckig sein und es wirklich wollen, der Markt ist hart umkämpft. Jedes Jahr verlassen unzählige ausgebildete Illustratoren die Universitäten und Fachhochschulen. Wichtig ist auch, dass man voll und ganz hinter seiner Arbeit steht und sie bereit ist zu verteidigen, Selbstzweifel sind eher Kontraproduktiv. Selbstkritisch ja, aber wenn jede Kritik einen in ein emotionales Loch stößt, wird dieser Beruf einen auffressen. Ich denke am besten fährt man, wenn man versucht eine Nische zu finden, die zu einem passt und auf die man sich spezialisieren kann.

Woher lässt du dich inspirieren, um deine Motive zu entwerfen?
Inzwischen greife ich, glaub ich, auf einen jahrelangen Erfahrungsschatz zurück, darum brauche ich nicht mehr unbedingt einen visuellen Anreiz. Oft lasse ich die Gedanken einfach schweifen und die Bilder setzten sich dann zu Motivideen zusammen.

Wolltest du auch als Kind schon Illustratorin werden?
Oh nein, alles, aber das hab ich nie gedacht. Schon im Kindergarten meinten immer alle Erwachsenen: „Elisabeth wird mal Künstlerin“, ich meinte immer, da verdiene man nicht genug und wollte was anderes werden. Malen wollte ich immer, aber dass ich damit mal meinen Lebensunterhalt bestreite, hab ich mir nicht vorstellen können. Manchmal finde ich das heute noch komisch. *lacht*

Hast du eine Ausbildung in dem Beruf gemacht oder war das eher eine persönliche Berufung?
Keine Ausbildung, ich bin da irgendwie drauf zugerutscht. 
Nach der Schule habe ich eine Ausbildung zur „Gestaltungstechnischen Assistentin in Fachrichtung Mediendesgin“ gemacht. Eine tolle Grundlage um weiter zu lernen, aber kein vollwertiger Beruf. Nach ein paar Jahren Jobben im Puppentheater und sozialen Einrichtungen, wollte ich noch eine Ausbildung machen und bin an der SBBS in Sonneberg/Thüringen gelandet und bin „Spielzeugdesigner“ geworden. 
Es war also immer etwas Kreatives, aber kein Studium als Illustratorin. Darüber hatte ich anfangs noch nachgedacht, aber nach so vielen Jahren wollte ich endlich selbst Geld verdienen und die Bedingungen waren gut, darum habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, irgendwann wieder in einem Betrieb zu arbeiten.

Welche Materialien verwendest du hauptsächlich?
Aquarellfarben und was man dazu braucht (Bleistift usw.), da ich auch ein paar genähte Produkte habe, auch Stoff und meine geliebte Nähmaschine.

Fans deiner Arbeiten können jedes Jahr von dir einen Märchenkalender bestellen. Welches ist dein Lieblingsmärchen? 

Mein Lieblingsmärchen ist „Jungfrau Maleen“ von den Brüder Grimm, das habe ich letztes Jahr umgesetzt. Ansonsten verwende ich im August des Kalenders immer meine Favoriten, da ich da Geburtstag habe. :p Diese Jahr „Die Gänsemagd“.

Es ist für Künstler immer schwierig den eigenen Stil zu beschreiben. Kannst du uns vielleicht trotzdem deinen Stil etwas näher bringen?

Mein Stil, nun verträumt und weich. Meist arbeite ich ohne viel Kontrast, sondern eher harmonisch in den Farben. Bunt und hell. Ich mag kleine Details und ich habe festgestellt, dass die Lines meiner Bilder meist gar nicht so aufwendig scheinen, aber durch die Coloration erst zu dem werden, was ich mir vorgestellt habe. Vielleicht dynamisch? 
Ich versuche immer das Bild in eine Art Bewegung zu versetzen und dem Betrachter möglichst ein kleines Lächeln zu entlocken. Jemand schrieb mal: „Man spürt die Liebe und die Freude.“ Das ist doch was Gutes. 🙂

Hast du für deine Illustrationen ein Lieblingsgenre?
Eine große Vorliebe habe ich für das Design von ca. 1890 – 1930. Diese Jahrzehnte sind unglaublich vielfältig und reichhaltig. Die Frisuren dieser Zeit waren toll und ich verwende sie gerne in meinen Bildern. Am liebsten zeichne ich Frauen und Kindermotive. 
Aber ein direktes Genre, nein das nicht. Ich versuche gern viel und probiere verschiedenes aus. Was ich nicht zeichne sind Gewaltdarstellungen oder Horror, das kann ich mir nicht vorstellen oder ansehen und es darum auch nicht umsetzen.

Interviewführung: Marten Ronneburg