Jugendaustausch: eine Rotary-Initiative auch für Nichtmitglieder

Weltweit gehört die Förderung der Jugend zu den wichtigsten Zielen von Rotary. Unter Betreuung und Schutz durch die Rotary Clubs verbringen Jugendliche einen Aufenthalt in einem anderen Land. Dieses Austauschprogramm steht nicht nur Kindern und Jugendlichen von Rotary Mitgliedern sondern auch Nichtmitgliedern gleichermaßen offen.

Rotierende Seiten sprach mit Hermann Schmeink, Leiter des Jugenddienstes von Rotary International im Distrikt 1940.
 
 
Rotierende Seiten: Warum ist der internationale Jugendaustausch durch Rotary so wichtig?

Hermann Schmeink: Der Jugendaustausch ermöglicht den Teilnehmenden das Kennenlernen anderer Kulturen und Lebensarchitekturen. Dies ist die Voraussetzung, sich vorurteilsfrei mit Menschen anderer/fremder Regionen auszutauschen und ihre Meinungsbildungen zu verstehen. Im Ergebnis wird dadurch die Grundlage für wirkungsvolle Friedensarbeit gelegt. Jährlich nehmen mehr als 10.000 Jugendliche aus aller Welt an den internationalen Begegnungen in anderen Ländern teil. In meinem Distrikt 1940 sind das etwa 200 Jugendliche.

Rotierende Seiten: Wie wird dieses Programm von den Jugendlichen angenommen und wie ist die Resonanz seitens der Teilnehmer?

Hermann Schmeink: Es existieren mehrere Jugendaustauschorganisationen, die um Teilnehmer werben, wenige davon sind wie Rotary gemeinnützig und auf freundschaftlicher Basis organisiert. Dieser Spirit wirkt auf Jugendliche attraktiv und beschert der rotarischen Organisation in Deutschland im Durchschnitt eine stabile Teilnehmerzahl. In vielen Gymnasien im Distrikt 1940 wird die rotarische Jugendaustauschorganisation mit guten „Schulnoten“ belegt und dabei auch von den schulischen Organisationen unterstützt.

Überdies ist der rotarische Jugendaustausch im „AJA“, dem Verband der gemeinnützigen Jugendaustauschorganisationen in Deutschland organsiert. Hier versuchen die teilnehmenden Organisationen, das sind:
– AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.;
Deutsches Youth For Understanding Komitee e.V. (YFU);
– Experiment e.V.; 
Open Door International e.V.;
– Partnership International e.V. und
Rotary Jugenddienst Deutschland e.V.,
ihren hohen Qualitätsstandard durch Weiterbildung und Erfahrungsaustausch nachhaltig zu entwickeln.

Rotierende Seiten: Das Austauschprogramm von Rotary steht nicht nur den Kindern von Rotary Mitgliedern offen, sondern auch Nichtmitgliedern. Ab wann kann ein Kind reisen und was müssen Nichtmitglieder erfüllen?

Hermann Schmeink: Die rotarische Austauschorganisation steht allen „geeigneten“ Jugendlichen zur Verfügung. Die „Eignungsfähigkeit“ wird in einem Casting auf der Clubebene durch persönliche Interviews geprüft. Dabei kann man verallgemeinert sagen, dass
– Persönliche Reife
– Teamfähigkeit
– Soziales Engagement
– Gute Schulleistungen und
– die Bereitschaft, sich auf fremde Sprachen und Kulturen einzulassen
wichtige Eignungsmerkmale darstellen. Die Bewerbungen von Nicht-Mitgliedern von Rotary erfolgt über die in der Region befindlichen Rotary Clubs. Eine Liste findet der Suchende bei den Rotary Clubs.

Rotierende Seiten: Sie engagieren sich seit 2005 im Vorstand von Rotary leidenschaftlich für den Jugendausstauch. Was ist Ihr nachhaltigstes Erlebnis?

Hermann Schmeink: Da gäbe es viel zu berichten. Für mich ist es eine große Freude, dass in unserem Distrikt 1940 sich gegenwärtig mehr als 50 Clubs aktiv im Jugendaustausch engagieren, ein vorbildlicher Wert.
Die immer wieder empfangenden „Feed-Backs“ der Austauschschüler/Austauschstudenten bedeuten mir in meiner Lebenswahrnehmung und -gestaltung sehr viel. Es ist eine gewaltige Bereicherung, sich mit Jugendlichen über unsere aktuellen politischen und wirtschaftlichen Themenstellungen auszutauschen.

Rotierende Seiten: In den rotarischen Sommercamps können Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren regelmäßig etwa drei Wochen im Distrikt 1940 verleben. Wie kann man sich das vorstellen und warum diese Altersgrenze?

Hermann Schmeink: Im Distrikt 1940 werden jährlich 2 Sommercamps (Hamburg/Lübeck/Schwerin gemeinsam mit dem Distrikt 1890 und Berlin/Brandenburg/Baltic Sea) mit einer Teilnehmerzahl von jeweils 10 bis 15 in dem oben angesprochenen Altersbereich ausgerichtet.
Die Unterbringung erfolgt in Familien und in Youth-Hostels, eine Jugendherbergs- Alternative. Die Inhalte sind mit Themen belegt. In unserem Distrikt haben wir uns für die Themen entschieden:
– Geschichte/Politik
– Kultur/Land und Leute
– Sportliche Kommunikation
In unserem letzten Sommercamp August/September 2014 konnte es gelingen, ein Gespräch mit unserer Kanzlerin Angela Merkel und den Teilnehmern des Sommercamps zu organisieren. Eine besondere Auszeichnung für die Teilnehmenden. Dies haben alle Teilnehmer mit großem Lob und Begeisterung quittiert und der Ostseezeitung war es einen Bericht wert.

Rotierende Seiten: Was bedeutet „family-to-family-Austausch“ und worin unterscheidet sich dieser Austausch von den Sommercamps?

Hermann Schmeink: Unter F2F-Exchange verstehen wir den direkten Austausch zwischen Familienmitgliedern in der Regel in den Sommerferien in einem 2-bis 4-wöchigem Format. Dieses Austauschprogramm ist gut für den „Einsteiger“ geeignet und ist mit wenigen Anforderungen für die Teilnehmer verbunden. Die Bewerbung läuft wie bei allen anderen Formaten über die jeweiligen Rotary Clubs.

Rotierende Seiten: Wenn Rotary die Jugendförderung so ans Herz gewachsen ist, warum werden z.B. die Rotaracter nicht bei Rotary aufgenommen?

Hermann Schmeink: Rotary International (RI) ist seit Jahren bemüht, Rotaracter als Jugendorganisation stärker in die gesamte rotarische Familie einzubinden. Hier sind Teilerfolge nicht zu übersehen. Eine Vielzahl an Rotary Clubs haben inzwischen ehemalige Rotaracter zu Rotariern werden lassen. Die Zahl der Rotarier mit Rotaract-Hintergrund ist in Berlin deutlich zweistellig.

Rotierende Seiten: Was würden Sie sich für Ihre Arbeit von Rotary wünschen?

Hermann Schmeink: Rotary ist keine „Dankeschön-Plattform“ aber wohl ein Service- und Dienstleistungs-Club. Das Dankeschön erhält man von den Teilnehmern und durch die sich bildenden Freundschaften im reichlichen Ausmaß.

von RR