Die Selbstanzeige im Schlosspark Theater Berlin

„Irgendetwas finden wir immer“ sagt Thomas Koschwitz in der Rolle des leicht diabolisch angelegten Steuerfahnders Toulouse. Und das dürfte sich mit den Erfahrungen von steuerlich geprüften Zuschauern decken. Und so gibt es erst mal zustimmendes Schmunzeln, gepaart mit Gänsehaut.

Intendant Hallervorden wollte den erfolgreichen Radiomann Thomas Koschwitz unbedingt für die Rolle des Steuerfahnders besetzen, kennt ihn schon lange. Der ist sich als cooler Typ seiner meist furchteinflößenden Wirkung bewusst. Aber auch er rechnet nicht damit, dass sich jemand, nur um sich wichtig zu machen, selber beim Finanzamt anzeigt. Denn das ist der letzte Ausweg für den Looser Pignon, den Wigald Boning in seiner ersten Theaterrolle durchaus glaubwürdig gibt: die Steuerprüfung soll ihn wieder interessant machen, auch für seine Frau… Er will auf sich aufmerksam machen, die „anderen“ sollen glauben, er sei doch wohlhabend… Auftrittsapplaus!!

„Die Selbstanzeige“ ist die erste Premiere der neuen Spielzeit 2014/2015 im Steglitzer Haus. Und gleichzeitig die deutsche Erstaufführung. Vom „Hausregisseur“ Thomas Schendel routiniert inszeniert. Geplant sind sechs Eigenproduktionen, fast immer auch mit fernsehbekannten Gesichtern oder mit dem Hausherren selbst besetzt. So will Hallervorden die rund 60 Prozent Auslastung des Hauses weiter steigern.

In der vergangenen Spielzeit waren „The Kings Speech“ und „Die Sunny Boys“ die erfolgreichsten Stücke – beide wurden mit finanzieller Unterstützung der Klassenlotterie realisiert. Ohne diese Geldspritze wäre vieles im Schlosspark Theater nicht möglich. Und so hofft Intendant Hallervorden, dass diese Geldspritze nicht versiegt.

Den dt.Titel „Die Selbstanzeige“ hat Dieter Hallervorden erfunden und das ganze Stück pointenreich und mit viel Wortwitz ins Deutsche übertragen – übrigens nicht seine erste Übersetzung eines Werkes von Francis Veber.

Zurück zum Stück: Auch hier fließt im Laufe der Handlung unerwartet Geld, viel Geld für Pignon. Harald Heinz als sein Patenonkel mit der sonoren Stimme hat daran nicht unerheblichen Anteil – mehr wird hier nicht verraten… Und Astrid Kohrs darf sich als mehr oder weniger begabte Innenarchitektin Christine austoben. Aber hauptsächlich ist sie aufs große Geld aus. Über Geschmack lässt sich eben streiten!

Nicht über den Geschmack des Publikums, den trifft man in Steglitz erfolgreich – Ende Oktober ist Hausherr Dieter Hallervorden in einer neuen Rolle zu sehen: „Der Bürger als Edelmann“ von Moliere. Und im November dann erstmals Jörg Schüttauf in dem Krimi „Misery“ nach Stephen King.

Und noch eine Neuerung: das Schlosspark Theater sticht in See: Kooperationen mit Tui Cruises sind geplant. Also auch auf Kreuzfahrten wird man dem Schlosspark Theater nun rechnen müssen.

von Götz Gerson