THW Präsident Albrecht Broemme: „Helfen ist Ehrensache“

Bundesweit engagieren sich rund 80.000 Freiwillige für die Arbeit des Technischen Hilfswerks (THW) im Bevölkerungsschutz. Mit seinem Fachwissen ist das THW nicht nur gefragter Unterstützer für Feuerwehr, Polizei und Hilfsorganisationen im Inland, sondern wird auch weltweit eingesetzt. Rotierende Seiten sprach mit Albrecht Broemme, dem Präsidenten des THW, über die vielfältigen Aufgaben und die täglichen Herausforderungen seiner Arbeit.

Rotierende Seiten: Sie sind auf vielen Veranstaltungen dieser Welt zu Hause, engagieren sich für sozial benachteiligte Menschen im In- und Ausland. Vor einigen Tagen trafen wir uns in Mailand und hier gab es sicher einen wichtigen Grund, denn Sie trugen im Ausland als Präsident des THW die Uniform?

Albrecht Broemme: Ich kam von einem Erfahrungsaustausch vom Joint Research Centre der Europäischen Kommission in Ispra, wo wir über nationale und internationale Forschungsprojekte sprachen. Es gibt nämlich noch viele Themen, bei denen geforscht werden muss.

Rotierende Seiten: Sie wurden am 16. Mai 2006 vom Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble zum Präsidenten des THW berufen. Das THW ist aktuell für die Flüchtlinge im Nordirak im Einsatz, aber auch bei Großbränden in Deutschland. Was ist das für ein Gefühl helfen zu können?

Albrecht Broemme: Hilfe wird in vielen Varianten an vielen Orten in Deutschland und im Ausland benötigt. Einer alleine kann wenig ausrichten, aber gut ausgebildete Teams wie die des THW können eine Menge bewirken – und zwar unmittelbar für Menschen in Notlagen. Es ist ein schönes Gefühl, wenn ich zum Beispiel in THW-Bekleidung durch ein Flüchtlingslager in Jordanien gehe und überall zum Tee eingeladen werde.

Rotierende Seiten: Seit über sechs Jahrzehnten arbeitet das THW in 668 Ortsverbänden mit über 80.000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, um Menschen in Not kompetent und engagiert Hilfe leisten zu können. Wo werden diese ehrenamtlichen Helfer für ihre Einsätze ausgebildet?

Albrecht Broemme: Die allermeiste Ausbildung findet in diesen 668 Ortsverbänden statt, also dezentral vor Ort, dort, wo die Helferinnen und Helfer in der Nähe wohnen. Die Ausbildung ist bundesweit standardisiert, schließlich sind wir eine Bundesanstalt. Sonderlehrgänge, Führungslehrgänge oder die Vorbereitungskurse für Auslandseinsätze finden an der THW-Bundesschule in Neuhausen a.d.F. oder in Hoya statt. Das THW bucht übrigens auch bei anderen Einrichtungen, wie der IHK, Ausbildungen. Dann können diese Absolventen ihre THW-Ausbildung auch beruflich nutzen. Außer Lehrgängen und „Üben auf dem Hof“ sind realistisch gestaltete Übungen wichtig zur Vorbereitung der Einsatz Kräfte auf den Einsatz. Wenn wir mehr Geld hätten, würden wir noch mehr üben.

Rotierende Seiten: Sie kooperieren mit dem Deutschen Feuerwehrverband (DFV), der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), der Johanniter Unfall-Hilfe (JUH) und dem Deutschen Roten Kreuz (DRK). Wie wichtig ist Ihnen das Image des THW im Inland und im Ausland?

Albrecht Broemme: Ein gutes Image ist Gold wert und äußerst wichtig. Es wird vor allem „an der Basis“ erarbeitet. Als Präsident kann ich natürlich darauf aufbauen. Zum guten Ansehen gehört auch ein guter Umgang der verschiedenen Organisationen untereinander. Kooperationen, auch mit der Bundeswehr, sind sinnvoll, wenn sie an der Spitze und an der Basis mit Leben erfüllt werden. Es tut gut, wenn man sich auf Partner verlassen kann. Es ist eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Einsätze.

Rotierende Seiten: Seit Ihrer Jugend helfen Sie aktiv anderen Personen. Egal ob im Wehrersatzdienst, bei der Feuerwehr oder jetzt beim THW. War das auch der Beweggrund, 1993 Mitglied bei Rotary zu werden?

Albrecht Broemme: Ja, besonders wichtig finde ich das persönliche Eintreten bei Projekten und nicht nur das Abliefern von Spenden. Hervorragend sind auch das weltweite Netzwerk, die guten Freunde und das soziale Engagement. Leider lässt mir mein Dienst im THW derzeit viel zu wenig Zeit für Rotary, speziell meinen Club Berlin-Süd.

Rotierende Seiten: 2008 erhielten Sie das Offizierskreuz „Pro Merito Melitensi“ des Malteserordens: Wie wichtig ist Ihnen eine solche Ehrung?

Albrecht Broemme: Wenn man als Präsident dermaßen geehrt wird, ist es einerseits eine Anerkennung für persönliches Engagement, andererseits nehme ich solche Auszeichnungen auch stellvertretend für 80.000 THWler an. Das Offizierskreuz des Malteserordens war mit der größten mir bisher überreichten Urkunde verbunden – der Text auf Latein. Auch heute sind Orden ein wichtiges Element, um „Danke“ zu sagen.

Rotierende Seiten: Was wünschen Sie sich persönlich für die Zukunft?

Albrecht Broemme: Mein Traum ist, dass ich nichts mehr zu tun habe – weil nirgendwo mehr Unglücke, Katastrophen, Naturereignisse, Kriege, Hungersnöte, Hochwasser usw. vorkommen. Genau das wird aber nicht eintreten. Deshalb wünsche ich mir, dass ich gesund und einsatzfähig bleibe. Und im Ruhestand in ein paar Jahren will ich mich den eher angenehmen Seiten des Lebens widmen, wie Lesen und Cellospielen.

von RR