Der Lügenbaron im Schlossparktheater Berlin

„Für jeden kommt einmal die Stunde der Wahrheit – dann heißt es: lügen, lügen, lügen.“
Das ist das Motto von Bernhard, dem Lügenbaron. Er ist ein erfolgreicher und verheirateter Mann auf der Sonnenseite des Lebens. Wenn da nicht seine notorische Neigung zum Seitensprung wäre… Marko Pustisek als Beau ist da hervorragend besetzt, bekommt reichlich Szenenapplaus.

Was soll man da schon sagen? Seitensprünge, damit verbundene Lügen zum Vertuschen, das Thema ist so alt wie die Menschheit selber. Eine gute Erfolgs- Voraussetzung ist das, das amüsierwillige Publikum erkennt sich wieder in dem, was da auf der Bühne passiert. Jedenfalls der eine oder die andere… das beweist die heitere Stimmung bei der Premiere. Hausherr Hallervorden, studierter Romanist, hat also einen guten Riecher bewiesen, als er sich die deutschen Aufführungsrechte sicherte und das französische Stück von Eric Assous auch gleich knackig übersetzte. „Eine leichte Kost für den Sommer für all die, die zum Lachen nicht in den Keller gehen.“

Desiree Nick als betrogene Ehefrau Nelly wird im Schlossparktheater zum wiederholten Male als Zugpferd eingesetzt, zu Recht, sie macht ihre Sache gut, spielt mit ihrem Image. „Ich freue mich, dass Herr Hallervorden mir die Chance gibt, mich kontinuierlich zu entwickeln.“ Desiree Nick, tief dekolletiert und mit Glitzerkette, stöckelt sexy über die Bühne. Das Publikum johlt bei Textstellen wie diesen: aus Versehen lag sie beim befreundeten Tierarzt statt beim Gynäkologen nackt auf dem Tisch – so kann frau sich irren. Als Nelly wird sie von ihrem Mann nach Strich und Faden hintergangen. So etwas gab es auch in Desiree Nicks eigener Biografie… Sie kennt ihren Mann überhaupt nicht, macht sich aber vor, sie führe eine glückliche Ehe. „Man könnte meinen, der Autor hätte in meinem eigenen Umfeld abgeschrieben.“

Harald Effenberg ist ein seit Jahren erprobter Schauspieler und Witzbold – immer wieder auch an der Seite von Dieter Hallervorden. Er weiß natürlich, wie man(n) Komik erzeugt: als Philippe soll er dem Lügenbaron Deckung geben. Das kann nicht gut enden… denn die Affäre soll publik werden.

Das Stück „Der Lügenbaron“ läuft mit rasanter Geschwindigkeit – auf ein unverhofftes Ende zu… Temporeich inszeniert von Thomas Schendel, der hat sich zum Hausregisseur des Schlossparktheaters etabliert, die aktuelle Produktion ist seine fünfte in Steglitz. Früher hat er als Schauspieler selber auf der Bühne des Hauses gestanden. Als das Schlosspark Theater noch Teil der staatlichen Bühnen Berlin war. Mit dem Intendanten Hallervorden läuft die Zusammenarbeit also bestens, das beweisen Erfolge mit „Sonny Boys“ und „Ich bin nicht Rappaport“.

Spieltermine vorerst immer wieder zu wechselnden Terminen in jedem Monat.

von Götz Gerson