Christoph Metzelder im Interview

Ex-Fußballnationalspieler Christoph Metzelder (33) spricht im Interview mit Rotierende Seiten über sein Karriereende als Fußballprofi, seine Stiftung und warum soziales Engagement für ihn wichtig ist.

Rotierende Seiten: Sie haben am 30. Juni 2013 Ihre aktive Profikarriere beendet. Was bewegte Sie dazu?

Christoph Metzelder: Ich war sehr ehrlich zu mir, welches Leistungsvermögen ich noch habe. Ich hatte das große Glück, ausnahmslos bei tollen und erfolgreichen Traditionsclubs zu spielen. Auf diesem Niveau wollte ich mich verabschieden. Ich habe meine Karriere früh beendet, aber rechtzeitig!

Rotierende Seiten: Sie sind seit Juli 2013 als Experte und Co-Kommentator für den Fernsehsender Sky Deutschland tätig. Haben Sie hierdurch eine andere Perspektive zum nationalen wie internationalen Fußballgeschäft bekommen?

Christoph Metzelder: Da ich nicht mehr Angestellter eines Vereins bin, kann ich viel freier und offener in meinen Aussagen sein. Diese Meinungsstärke wird in der Expertenrolle auch von mir erwartet. Gleichzeitig befasse ich mich viel mehr mit dem Geschehen in der Bundesliga, aber auch international, um mir ein Gesamtbild zu verschaffen.

Rotierende Seiten: 2006 gründeten Sie die Stiftung „Zukunft Jugend“, weil sich immer mehr Kinder mit der Armut und Perspektivlosigkeit konfrontiert sehen. Warum gerade dieses Thema?

Christoph Metzelder: Ich habe einen Großteil meines Lebens im Ruhrgebiet verbracht, einer Region in der sich nach Kohle und Stahl viel verändert hat. Dieser Wandel ist an vielen Menschen nicht spurlos vorbeigegangen. Viele Menschen leben an der Armutsgrenze, die (Jugend-)Arbeitslosigkeit liegt höher als in anderen Bereichen Deutschlands und immer mehr Kinder wachsen in einem sozial schwachen und bildungsfernen Kontext auf. Diese jungen Menschen wollen wir auf ihrem Weg von der Schule ins Berufsleben begleiten und unterstützen.

Rotierende Seiten: Sie sind Vize-Weltmeister und Ex-Profifußballer aus Nordrhein-Westfalen und setzen sich auch für Straßenkinder in Berlin ein. Was bewegte Sie dazu?

Christoph Metzelder: Ich lebe in Nordrhein-Westfalen und habe dort auch den Startschuss für die Stiftungsarbeit gegeben. Von den aktuell 16 Projekten deutschlandweit befindet sich ein Großteil zwischen Düsseldorf und Hamm. Dennoch wollen wir uns auch nachhaltig in anderen Regionen engagieren. Gemeinsam mit Gazprom unterstützen wir das Projekt “Bildungstankstelle“ vom Verein Straßenkinder e.V. in Berlin-Marzahn-Hellersdorf. Dort sollen Kinder – viele von ihnen mit osteuropäischem Hintergrund – bei ihren Hausaufgaben und in ihrem Lernprozess gefördert werden.

Rotierende Seiten: Sie erhielten von der Ministerpräsidentin Hannelore Kraft im November 2011 den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen für Ihr soziales Engagement. Wie wichtig ist diese Auszeichnung für Sie?

Christoph Metzelder: Diese Auszeichnung habe ich stellvertretend für mein Stiftungsteam, vor allen Dingen aber für die Mitarbeiter der Einrichtungen, die wir unterstützen, entgegengenommen. Sie sind jeden Tag Ansprechpartner und Bezugspersonen von fast 500 Jungen und Mädchen, die in unseren Projekten einen Ort finden, an dem sie gehört und unterstützt werden. Sie sind die wahren Helden!

Rotierende Seiten: Sie sind ein leidenschaftlicher Golfer. Nutzen Sie auch hier Ihr Engagement für soziale Zwecke?

Christoph Metzelder: Den Golf-Sport habe ich im Rahmen meiner Stiftungsarbeit für mich entdeckt. Seit 2009 richtet die Christoph Metzelder Stiftung jährlich einen „Golf Charity Cup“ zugunsten der Projektarbeit aus. Das diesjährige Turnier wird im Juni auf dem Platz des Golfclubs „Schloss Wilkendorf“ vor den Toren Berlins ausgetragen.

Rotierende Seiten: Was wünschen Sie sich persönlich?

Christoph Metzelder: Ich habe in den letzten Jahren große Unterstützung erfahren. Viele Menschen und Unternehmen begleiten mich bei meiner Arbeit für benachteiligte Kinder und Jugendliche. Ich wünsche mir, dass sie diesen Weg auch in Zukunft gemeinsam mit mir gehen.

von RS