Das Kia-Werk in Zilina, Slowakei

Vor einigen Tagen ging es zur Geburtsstätte des Kia Venga, Sportage und der gesamten Kia cee’d Familie in die Slowakei, der Bezirkshauptstadt und gleichnamigen Region im Norden der Slowakei, nach Zilina. Zilina liegt ca. 262 Kilometer vom Flughafen Wien und 194 Kilometer vom Flughafen Bratislava entfernt. Im Juni 2006 nahm das Kia-Werk auf einem 223 Hektar großem Areal in der Gemeinde Teplička nad Váhom seine Produktion auf. Mehr als eine Milliarde Euro investierte das Unternehmen seinerzeit in den Bau eines hochmodernen voll automatisierten Fahrzeug- und Motorenwerks.

Der Grund warum die Kia Motors Corporation in der Slowakei ein Werk errichtete, lag in der guten Verkehrsinfrastruktur, den hoch qualifizierten Arbeitskräften, die Nähe zu wichtigen europäischen Märkten und einer gesicherten Teileversorgung durch die Zulieferer in der Region. Mit dem Eintritt 2004 zur Europäischen Union und durch die Inbetriebnahme der Kia-Produktion 2006 wurde auch die Arbeitslosigkeit bis auf 4 Prozent in der Region reduziert. Heute ist jedoch, durch die europäische Autokrise, die Arbeitslosigkeit wieder auf 11 Prozent angestiegen. An der Qualität der im Werk produzierten Fahrzeuge und an den Löhnen kann es sicher nicht liegen. Der Arbeiter verdient gegenüber der Bevölkerung ein Vielfaches. Der Durchschnittsverdienst in der Region Zilina, Slowakei liegt bei 700 Euro und ein Kia-Werksarbeiter geht nicht unter 1000 Euro im Monat nach Hause.

In den vergangenen Jahren wurde die Produktionskapazität kontinuierlich erhöht, unter anderem durch die Einführung des Dreischichtbetriebs. Heute produzieren 3.900 Mitarbeiter in Zilina jährlich bis zu 300.000 Fahrzeuge und 450.000 Motoren, damit ist das Kia-Werk der drittgrößte Arbeitgeber in der Slowakei. Russland und Deutschland sind die größten Absatzmärkte, gefolgt von Großbritannien, Spanien und Italien, nur ein Prozent der produzierten Fahrzeuge bleibt in der Slowakei.

Kia Motors ist der einzige Automobilhersteller, der in der Slowakei Motoren produziert. Dazu zählen zwei Benziner mit 1,4 und 1,6 Liter Hubraum, verschiedenen Einspritztechnologien (Multipoint und Direkteinspritzung) und einer variablen Ventilsteuerung in zwei Varianten (CVVT und Dual CVVT). Hinzu kommen vier hocheffiziente Dieselmotoren mit 1,4, 1,6, 1,7 und 2,0 Liter Hubraum und verschiedenen Turbolader-Konzepten.

Bei der Werksbesichtigung im Montagewerk, das immerhin 450 Meter lang war und auf einer 100.000 Quadratmeter Fläche in vier separate Bereiche aufgeteilt war, viel die große Flexibilität auf. Alle fünf Fahrzeugtypen wie den Kompaktwagen-Familie cee’d – das fünftürige Grundmodell, die Kombiversion cee’d Sportswagon und der Dreitürer pro_cee’d – sowie der Kompakt-SUV Sportage und der Kompakt-MPV Venga können gleichzeitig auf einer einzigen Produktionslinie montiert werden. Die Werksmitarbeiter, wo ein großer Frauenanteil zu sehen war, können in einer bequemen Arbeitshöhe die einzelnen Fahrzeugmontagen wie Einbau von Kabeln, Innen- und Außenteile u.s.w. vornehmen. Am Schluss erfolgt die Kontrolle der montierten Teile, das Einfüllen der Flüssigkeiten, das Testen und Einstellen des Lichts sowie die Überprüfung des Bremssystems auf einer eigenen Werksteststrecke.

Aber auch sozial legt sich Kia Motors Slovakia ins Zeug. Umweltschutz wird entsprechend der reizvollen Landschaft groß geschrieben und setzt die weltweit anerkannte Norm ISO 14001 um. Das bedeutet, dass das Werk seinen Verbrauch an Wasser, Energie und Material sowie das Abfallaufkommen und die Emissionen genauestens überwacht, denn das Werk liegt in einem Wasserschutzgebiet zweiten Grades. Neben der Qualifikation fördert Kia Motors Slovakia auch eine Unternehmenskultur,
die von Teamgeist, Solidarität und Spaß geprägt ist. Kulturelle Initiativen wie Konzerte und Sport- und Familientage stehen genauso im Mittelpunkt wie der Wettbewerb um die Awards für die besten Mitarbeiter. Kia Motors Slovakia engagiert sich aber auch finanziell, um die Lebensqualität in der Region Zilina zu verbessern. Zu diesem Zweck gründete das Unternehmen 2008 mit der Pontis Stiftung den Kia Stiftungsfonds, um verschiedene soziale Projekte der Region zu fördern.

Einen Wermutstropfen aber gab es nach der Werksbesichtigung. Alle freuten sich schon auf den Besuch der Werkskantine, wo die Mitarbeiter täglich eine kostenlose Versorgung genießen können. Schade, was die Werksmitarbeiter täglich zum Mittagessen bekommen, hätten auch wir Journalisten gern erfahren. Der gesamten Organisation tat das aber keinen Abbruch, mit dieser Reise war ich wieder um eine wertvolle Erfahrung reicher.

von RR