Thomas Tarnok im Dienste des sozialen Engagements

Berlin-Schönefeld ist seit der Planung im Januar 1992 durch Pleiten, Pech und Pannen beim Bau des Großflughafens „Willy Brandt“ nicht mehr aus der Öffentlichkeit weg zu denken. Seit dem Spatenstich am 5. September 2006 reist die Pannenserie nicht mehr ab. Der erste Eröffnungstermin 2008 platzte, weil die neuen Investoren nach Ansicht der damaligen Gesellschafter finanzielle Risiken auf Bund und Länder abwälzen wollten. Aber auch die öffentlichen Träger können es nicht besser und verschieben weitere dreimal die Eröffnung, erst auf den 3. Juni 2012, dann auf den 17. März 2013 und jetzt auf den 27. Oktober 2013.

In dieser Zeit baute Thomas Tarnok (45) das Holiday Inn Berlin Airport Conference Hotel nur einige hundert Meter vom Flughafen entfernt auf eine grüne Wiese. Voller Vertrauen in die Planungssicherheit der öffentlichen Hand. Aus Anlass der vom 11. bis 16. September 2012 stattfindenden ILA Berlin Air Show 2012 führten wir mit dem Hoteldirektor dieses Interview:

Rotierende Seiten: Herr Thomas Tarnok, wie sind Sie zum Hotelgewerbe gekommen?

Thomas Tarnok: Im Jahr 1967 bin ich in Güssing im Dreiländereck Österreich-Ungarn-Slowakei geboren. Schon in meiner Jugend interessierte ich mich für das Kochen und besuchte die Hotelfachschule in Oberwart. Eigentlich wollten meine Eltern, dass ich den Bauernhof übernehmen sollte, aber heute sind sie doch auf meine Entwicklung stolz. Meine ersten Erfahrungen sammelte ich im InterConti Hotel Wien und war der jüngste Subabteilungsleiter, der das IT-Controll Programm für die Food und Beverage Abteilung einführte. Nach Stationen in Salzburg und Wien sollte ich 1997 ein neues Hotel in Potsdam leiten, dieses Projekt scheiterte an dem damaligen Eigentümer und der Treuhand, ein klassischer Fall der ehemalige Ost-West Problematik.

Rotierende Seiten: Sie waren bei der Hotelkette der IHG (InterContinental Hotels Group) der jüngste Hoteldirektor, war das die Grundlage für die mutige Entscheidungen nach Schönefeld zu gehen?

Thomas Tarnok: 1990 war ich das erste Mal nach der Wiedervereinigung in Berlin und war von der Stadt begeistert. Als Österreicher fand ich die Service-Wüste Deutschland schrecklich und ich wollte einen Teil dazu beitragen, etwas zu verändern. So eröffnete ich mit 25 Mitarbeitern und 195 Zimmern im Oktober 1998 das Holiday Inn Berlin Airport in der Hans-Grade-Allee 5 in Schönefeld. Ein Hotel auf freiem Feld und viele sagten mir einen Flop voraus, aber ich hatte den Flughafen und die Visionen im Blick. Zuerst kamen die Billigflieger nach Schönefeld und die Auslastung stieg. Nach der Entscheidung den BBI zu bauen, entschieden auch wir uns, unser Hotel zu erweitern. Insgesamt investierten wir bis heute 50 Millionen Euro in den Ausbau des Hotels und Konferenzzentrums. Mit der Hotelerweiterung und dem Neubau des Konferenzzentrums im Jahre 2009 und mit seiner Eröffnung in 2011 tragen wir maßgeblich und nachhaltig zur Verbesserung des Standortes bei. Jetzt mit 300 Zimmern, 150 Mitarbeitern und einem Veranstaltungs- und Kongressbereich von bis zu 3.400 m². Bereits heute finden viele große Veranstaltungen bis hin zu Kongressen aber auch viele kleinere Meetings bundesweit bei uns im Conference Centre statt. Das Alleinstellungsmerkmal mit der Nähe zum derzeitigen Flughafen SXF, der Bahnanschluss sowie die perfekten Autobahnanschlüsse sind entscheidend für unsere geographische Vorteilslage.

Rotierende Seiten: Seit 1998 sind Sie Hoteldirektor in Schönefeld. Können Sie noch den Behörden vertrauen?

Thomas Tarnok: Unser Schwerpunkt liegt im Konferenzgeschäft und so würden wir uns sehr freuen, wenn es nach viermaliger Verschiebung der Flughafeneröffnung nun endlich beim letzten zugesagten Termin bleibt. Denn auch wir leiden unter der fehlenden Auslastung der Zimmer. Ein zweites Problem ist die Bürokratie der Behörden des Landes Brandenburg, die das Hotel immer noch nicht in ihre Planungen aufgenommen haben. Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass Hotel steht wie ein Fels in der Brandung und 2013 feiern wir bereits das 15jährige Hotelbestehen und das ohne Betreiberwechsel. Sollten die Vorhersagen der Flughafengesellschaft eintreffen und die Erfolgsgeschichte mit dem neuen Flughafen Berlin Schönefeld beginnen, sehen wir auch eine Erhöhung in der Einstufung unseres Hotels von jetzt 4 Sterne in 4 Sterne plus, das kann der Standort hergeben.

Rotierende Seiten: Sie sind seit 2002 Mitglied bei Rotary International, warum?

Thomas Tarnok: Ich bin ein Netzwerker, was man auch von einem Hoteldirektor sicher erwarten darf. Seit der BBI in Planung ist und seit dem es Baustellentouren gibt, besuchen uns viele Rotary Clubs aus Deutschland. Andreas Kaden, damals Geschäftsführer von Lufthansa Bombardier Aviation Services in Berlin, heute Geschäftsführer der Lufthansa Technical Training GmbH, sprach mich zur Zeit der Gründung des Hotels an und weckte in mir das Interesse für Rotary. So wurde ich Mitglied und eine meiner wichtigsten Aufgaben als Präsident des Clubs 2007/2008 war die Namensänderung vom Rotary Club Königs Wusterhausen/Zossen zum Rotary Club Berlin Brandenburg Airport.
Was mich jedoch bei Rotary stört, ist die wenige Präsenz in der Öffentlichkeit. Wir haben viele gute Beispiele, aber wir rennen immer als Schatten von LIONS hinterher. Jetzt auch wieder bei der ILA 2012. Lions betreibt einen eigenen Stand und präsentiert seine Projekte. Würden wir nicht mit dem Hotel vor Ort sein und Rotary vertreten, würden die nationalen und internationalen Besucher denken, außer LIONS gibt es keinen weiteren Serviceclub. Rotary und seine Mitglieder sollten stolz auf ihre Arbeit sein und alte und verstaubte Meinungen zur Öffentlichkeitsarbeit ablegen. In einer globalisierten Welt ist das nicht mehr zeitgemäß. Das soziale Engagement und das Unternehmerische gehören für mich zusammen und so bereiten wir zum vierten Mal ein Benefiz-Konzert unter Schirmherrschaft von Matthias Platzeck, Ministerpräsident Brandenburgs, am 1.12.2012 vor. In den vergangenen Jahren konnten somit bei einem Konzert 10.000 bis 12.000 Euro für ein Sozialprojekt in der Region übergeben werden.

Rotierende Seiten: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Thomas Tarnok: Natürlich wünsche ich mir eine volle Auslastung, gerne wiederkehrende Besucher, die mit unserem Service zufrieden waren. Aber auch Veranstaltungen der Autoindustrie. Dafür haben wir am 1. Dezember 2011 die erste Ladestation für Elektrofahrzeuge direkt am Hotel eingeweiht. Die neue Eisstock Arena mit zwei Ganzjahres Bahnen und Apres Eisstockbar sowie der Panorama Dachteresse mit direkten Blick auf den BER sind ideale Plattformen für Events. Hinzu kommt die Nähe zum Flughafen, die Anbindung von öffentlichen Verkehrsmitteln und die Autobahn. So liegt zum Beispiel der Teltow Fläming Ring, Fahrspaß mit Abenteuer Offroad, nur 20 Minuten von uns entfernt.

Rotierende Seiten: Wir danken für das Gespräch und wünschen Ihnen ein volles Haus und weiterhin viel Erfolg.