David Ruetz, Leiter der ITB Berlin und FUR-Vorstand

Wer kennt sie nicht die ITB Berlin, die führende Messe der weltweiten Reiseindustrie. Die 46. ITB 2012 brachte ein Plus an Fachbesuchern, mehr Geschäftsabschlüsse der Aussteller und ein Ansturm auf den ITB Berlin Kongress. Mitverantwortlich für die jährlichen Erfolge ist unser Gesprächspartner David Ruetz.

David Ruetz, ein gebürtiger Schweizer, erkannte bereits in jungen Jahren die Leidenschaft zum Tourismus. Mit 16 Jahren arbeitete er als Bellboy im Victoria Jungfrau Hotel, Interlaken, ein traditionsreiches 5-Sterne Hotel im Berner Oberland. Während seines geisteswissenschaftlichen Studiums jobbte er in der Event- und Tourismusbranche. Im Interview merkt man schnell seine Leidenschaft für Sprachen und Schweizer Servicequalität. Ruetz spricht Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Russisch. Jedes Jahr verbringt er mit seiner Familie den Urlaub in der Schweiz und so wie die Schweizer die Servicequalität pflegen, so möchte Ruetz, vergleichsweise wie ein Schweizer Uhrwerk, diese Leistung auf die ITB transportieren.

Rotierende Seiten: Sie sind seit 2001 für die Messe Berlin tätig und seit 2004 Senior Manager der ITB und erreichten im In- und Ausland zahlreiche Erfolge. Was bedeutet das für Sie persönlich?

David Ruetz: Für mich gibt es nichts Spannenderes als das internationale Messewesen. Die Zusammenarbeit mit Kollegen aus der Reiseindustrie aus aller Welt empfinde ich als sehr bereichernd, denn man schaut regelmäßig über den deutschen Tellerrand. Außerdem ist es eine sehr herzliche Branche, wo man schnell gute Kontakte knüpft. Wenn man dann noch ein sehr gutes Produkt wie die ITB Berlin weiter entwickeln darf, ist das sehr abwechslungsreich und befriedigend.

Rotierende Seiten: Seit dem 23. Mai 2012 sind Sie in den Vorstand der FUR gewählt worden. Was ist die FUR und was bedeutet das für die Messe Berlin?

David Ruetz: Die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) wurde im Sommer 1994 als Verein von Forschungsnutzern gegründet, um branchenübergreifend, neutral und kontinuierlich Untersuchungen zum Reiseverhalten zu ermöglichen. Sie ist der größte nichtkommerzielle Organisator und Auftraggeber der Tourismusforschung. Ihre Forschungsergebnisse stehen allen Mitgliedern zur Verfügung.

Durch meine Vorstandstätigkeit bei der FUR ergeben sich Synergien für den ITB Berlin Kongress und die ITB Asia. Die FUR Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen präsentiert als größter nicht-kommerzieller Organisator und Auftraggeber von Tourismusforschung in Deutschland alljährlich die ersten Ergebnisse der renommierten Reiseanalyse auf der ITB Berlin. Die seit über vierzig Jahren jährlich durchgeführte Untersuchung ist ein wichtiges Trend-Barometer für die Reiseindustrie. Sie gibt Auskunft über das Urlaubsreiseverhalten der Deutschen und ihre urlaubsrelevanten Motive und Aktivitäten, Einstellungen und Interessen. Diese empirischen Daten sind sehr wertvoll und ich werde sie gewiss nutzen können, um die Beratung im Rahmen des ITB Consulting durch empirische Daten zu untermauern.

Foto: Messe Berlin
Foto: Messe Berlin
Vertragsunterzeichnung für das ITB-Partnerland 2008 mit dem Tourismusminister der Dominikanischen Republik, Félix Jímenez
Foto: Messe Berlin
Foto: Messe Berlin
Überreichung eines Stückes der Berliner Mauer an die indische Tourismusministerin Ambika Soni (2006)

Rotierende Seiten: Vom 6. bis 10. März 2013 findet wieder die  ITB Berlin statt. Der BER ist nicht fertig und die Messe Berlin ist an der Kapazitätsgrenze. Wie sehen Sie die Entwicklung für die ITB Berlin?

David Ruetz: Zur letzten ITB kamen 113.006 Fachbesucher (davon 39,7 % aus dem Ausland). Sie informierten sich bei 10.644 Ausstellern aus 187 Ländern über alle Segmente der internationalen Reiseindustrie und 2013 werden es sicher noch mehr. Die Anreise über den Flughafen Berlin Tegel funktioniert seit Jahren reibungslos und wir gehen davon aus, dass die Fachbesucher auch zur ITB Berlin 2013 eine schnelle, unkomplizierte Anreise haben werden. Für uns ist ein voll funktionsfähiger Flughafen unabdingbar, deshalb ist die Verschiebung der Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg aus unserer Sicht unumgänglich gewesen. Die Messe Berlin baut zur Zeit ihre Kapazitäten aus, so dass wir schon bald mehr Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung haben werden. Ende 2013 soll die vom Dresdner Architektenbüro CODE UNIQUE entworfene neue Halle City Cube Berlin fertig sein. Im Frühjahr 2014 finden hier die ersten Veranstaltungen statt. Der City Cube Berlin bietet zugleich die Möglichkeit, die Sanierung des ICC Berlin durchzuführen und das Kongressgeschäft in bisherigem Umfang beizubehalten. Wir sehen also optimistisch in die Zukunft.

Rotierende Seiten: Die ITB engagiert sich für soziale nationale und internationale Projekte, wie passt hier der Kongress- und Kulturpartner Aserbaidschan?

David Ruetz: Aserbaidschan hat nach dem Eurovision Song Contest in Baku eine große Medienaufmerksamkeit erreicht. Auf der ITB 2013 will Aserbaidschan neben unserem Gastland Indonesien alle Möglichkeiten nutzen, ihr touristisches Potenzial der ganzen Welt zu zeigen. Wir freuen uns heute schon auf die Diskussionen und Informationen auf der ITB. Wie in den vorangegangenen Messen mit der Türkei, Polen und Ägypten wird es auch 2013 eine Charity-Veranstaltung geben. In Ägypten unterstützen wir ein Schulprojekt. Polen und die Türkei halfen bei der Bewältigung der Naturkatastrophe in Haiti von 2010. Ein Höhepunkt in diesem Jahr ist die Partnerschaft beim Auftritt des Singapore National Youth Orchestra beim Young Euro Classic im Juli/August 2012.

Rotierende Seiten: Was wünschen Sie sich privat?

David Ruetz: Als Schweizer Familienvater liebe ich nicht nur die Berge und die Schweizer Präzision, sondern meine Frau und unsere vier Kinder. Wenn es die Zeit erlaubt, spiele ich mit meinen zwei Töchtern, auf Cello und Klavier gepflegte Kammermusik.

Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen David Ruetz weiterhin viel Erfolg bei der Messe Berlin und Zeit für die Familie.

von RR