Jörg Simon – ein Vorstandsvorsitzender engagiert sich ehrenamtlich

„Am Anfang war das Wasser“, so steht es in der Bibel. Aristoteles bezeichnet das Wasser als eines von vier Elementen neben Feuer, Luft und Erde und der menschliche Körper besteht aus über 70 Prozent aus Wasser. Ohne Wasser kein Leben. Die Berliner Wasserbetriebe blicken auf eine 156 jährige Tradition zurück. Heute versorgen sie 3,5 Millionen Menschen in Berlin und Umgebung mit Trinkwasser und behandeln das Abwasser von 3,9 Millionen Menschen. Seit November 1999 steht Jörg Simon als Vorstandsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe an der Spitze des Unternehmens.

Jörg Simon ist kein gebürtiger Berliner. Das Licht der Welt erblickte er im April 1962 in Mechernich bei Bonn. Nach seinem Abschluss als Diplom-Ingenieur und Diplom-Wirtschaftsingenieur wurde Simon Assistent am Lehrstuhl für Wärmeübertragung an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH). Von 1992 bis 1996 war er für Planung und Controlling an der VEBA Kraftwerke Ruhr AG in Gelsenkirchen verantwortlich, bevor er als Geschäftsführer zur OEWA Wasser und Abwasser GmbH nach Leipzig ging. Im März 1999 zog es Simon mit seiner Familie nach Berlin und bis heute ist er der Bundeshauptstadt treu verbunden. Neben seinen beruflichen Verpflichtungen engagiert er sich auch in einem der weltgrößten Service Clubs für soziale und gesellschaftliche Probleme.

Die Rotierenden Seiten führten mit Jörg Simon ein Interview.

Rotierende Seiten: Die Berliner Wasserbetriebe haben seit 2010 einen Corporate Governance Kodex. Dieser Kodex soll das System der Berliner Wasserbetriebe transparent und nachvollziehbar machen. Was war der Hintergrund und zu welchem Zweck ist er erarbeitet worden?

Jörg Simon: Wir haben diesen Kodex sogar schon im März 2005 in Abstimmung mit dem Land Berlin eingeführt. Der Kodex ist nichts Statisches. Wir haben ihn seither mehrfach aktualisiert. Für alle Bereiche unseres Unternehmens wurden Standards festgeschrieben. Auditoren und Wirtschaftsprüfer überprüfen jedes Jahr, ob wir das auch leben. Der Corporate Governance Kodex ist ein wichtiger Teil dieses Systems.

Rotierende Seiten: Die Berliner Wasserbetriebe haben eine eigene Korruptionsbroschüre. Gab es dafür einen besonderen Anlass?

Jörg Simon: Nein, Hinweise auf Verstöße gab es bisher nicht. Aber natürlich braucht ein so großes Unternehmen mit seinen mannigfachen Beziehungen zu Lieferanten, Organisationen und anderen Partnern klare Vorgaben auch für korrektes Verhalten. Diese Vorgaben – die es zum Teil schon seit vielen Jahren gibt – haben wir 2008 in einer kurzen und einfach verständlichen Form in dieser Broschüre formuliert und dann allen Beschäftigten überreicht. Unsere Korruptionsprävention wurde übrigens vom internationalen Netzwerk Water Integrity Network gewürdigt und als hervorhebenswertes Beispiel auf seiner Internetseite veröffentlicht.

Rotierende Seiten: Wie nehmen die Berliner Wasserbetriebe ihre gesellschaftliche Verantwortung wahr?

Jörg Simon: Zuerst natürlich, indem wir einen guten Job machen. Bestes Trinkwasser, steigende Gewässerqualität, hoher Service und strenges Kostenmanagement sind hier zu nennen. Aber es gibt noch weit mehr. Wir sind einer der größten Ausbildungsbetriebe und Investoren Berlins, engagieren uns von der Lehrerfortbildung über eine eigene Schüler-Internetseite bis zu Trinkflaschen für alle Erstklässler sehr für den Nachwuchs. Man kann uns täglich in Wasser- und Klärwerken oder in unserem Wasser-Museum besuchen. Darüber hinaus sind wir dem Klimaschutz verpflichtet und haben dies in einer Klimaschutzvereinbarung gegenüber dem Land festgeschrieben.

Rotierende Seiten: Seit 2008 engagieren sich die Berliner Wasserbetriebe im „Berliner NetzwerkE“. Welche Modellprojekte sind dem Vorstand wichtig und welche Auswirkungen hat das für Berlin?

Jörg Simon: Wir brauchen allein so viel Strom, wie der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Und der hat 270.000 Einwohner. Im Interesse der Kosten und des Klimaschutzes versuchen wir deshalb, so viel Strom wie möglich einzusparen und gleichzeitig so viel wie möglich selbst zu erzeugen. Das tun wir schon lange, indem wir das Biogas des Klärschlamms nutzen. Aber wir betreiben in Tegel auch Berlins größte Solaranlage, bauen in diesem Jahr in Schönerlinde drei sehr große Windräder, beginnen damit, Wärme aus Abwasser zu gewinnen. 
Gegenüber 2005 haben wir so 41.000 t CO2-Emissionen eingespart, 6.000 t mehr als in der Klimaschutzvereinbarung mit dem Land Berlin festgelegt.

Rotierende Seiten: Wo sehen Sie wesentliche Projekte der Zukunft und worüber können Sie sich so richtig aufregen?

Jörg Simon: Wir brauchen in der Zukunft mehr Unternehmer im Unternehmen. Unsere Mitarbeiter sind Führungskräfte und sind da schon wichtige Schritte mitgegangen. Aufregen kann ich mich über nutzlose Bürokratie!