Hans-Jürgen Beerfeltz – ein Staatssekretär bewegt die Öffentlichkeit

Wer kennt ihn nicht, Hans-Jürgen Beerfeltz, leidenschaftlicher Golfer, aktiv im gesellschaftlichen und politischen Leben und seit 1969 Mitglied der FDP. Geboren wurde Beerfeltz im April 1951 in Lübeck. Er studierte Soziologie in Hamburg und schon früh sah er seine Zukunft in der Politik. Von 1988 bis 1992 war er Büroleiter bei Dr. Otto Graf Lambsdorff, vorwiegend in den USA. In dieser Zeit war Beerfeltz auch Mitglied im Weltvorstand der Liberalen Internationale.
Nach der deutschen Wiedervereinigung war er PR-Experte der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG), internationaler Politikberater und Vizepräsident der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB). Seine Schwerpunktaufgaben in der BpB lagen hier bei politischen Publikationen der Erwachsenenbildung, Öffentlichkeitsarbeit und Deutsch-Jüdischen Versöhnung.
1995 wurde Beerfeltz FDP Bundesgeschäftsführer und war bis 2009 verantwortlich für die Organisations- und Kampagnenplanung der FDP bis 2009.
Am 28. Oktober 2009 berief Dirk Niebel Hans-Jürgen Beerfeltz zum Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Hans-Jürgen Beerfeltz engagiert sich nicht nur im Golfsport. Seit Jahrzehnten ist er ehrenamtlich in unterschiedlichen gemeinnützigen Organisationen tätig. Als Fördermitglied bei UNICEF, als Mitglied im WWF (World Wide Fund For Nature), als Mitglied bei Plan International und Unterstützer von ONE – eine Lobby- und Kampagnenorganisation, die gegen extreme Armut und vermeidbare Krankheiten insbesondere in Afrika kämpft. In Berlin und Bonn engagiert sich Beerfeltz seit dem 19. März 2010 im Rundfunkrat der Deutschen Welle.

Wir sprachen mit ihm am Rande einer Veranstaltung in Berlin:

Rotierende Seiten: Am 25. Juli 2011 rufen Sie einen Ideenwettbewerb aus: Name und Logo für „Servicestelle für bürgerschaftliches und kommunales Engagement“. Was verfolgen Sie mit dieser Idee?

Hans-Jürgen Beerfeltz: Die Servicestelle wird das BMZ endlich zur „BürgerMitmachZentrale“ machen. Es geht mir darum, die Zugangsschwelle für alle, die sich engagieren möchten, niedriger zu machen. Unser Ziel ist ambitioniert: Wir möchten nichts weniger, als die Zahl der Engagierten von einer auf zwei Millionen verdoppeln! Ganz egal, von welchem Hintergrund jemand kommt, ganz egal, in welcher Form Sie sich engagieren möchten – die neue Servicestelle bietet Beratung aus einer Hand durch den Dschungel der Programme, Initiativen und Fördermöglichkeiten. Wir diskutieren zurzeit in Deutschland viel über die sogenannten „Wut-Bürger“. Mit der Servicestelle werden wir das Engagement unzähliger „Mutbürger“ sichtbar machen. Mutbürger statt Wutbürger: Damit setzen wir Zeichen für eine dynamische und innovative Bürgergesellschaft – nicht eine Wutbürgerschaft, sondern eine „Tut-Bürgerschaft“. Was lag da näher, als gleich bei der Gestaltung des Außenauftritts möglichst viele mit einzubinden?

Rotierende Seiten: Sie sprachen in einem Interview vom Suppenschüsselsozialismus. Was heißt das für Sie und wir kann die Investition in nachhaltige Entwicklung zum Beispiel bei den vielen Kooperationspartnern weltweit durch das BMZ intensiviert werden?

Hans-Jürgen Beerfeltz: Über viele Jahre verstand sich Entwicklungszusammenarbeit als soziale Leistung des reichen Westens. Viel zu oft war dabei „gut gemeint“ das Gegenteil von „gut gemacht“. Viel zu oft wurde nur „gefüttert“ und nicht in neue menschliche Chancen investiert. Ich finde: Wir dürfen die Menschen in unseren Kooperationsländern nicht entmündigen. Ganz im Gegenteil, unser Ziel muss sein, diese Menschen so zu stärken, dass sie ihr eigenes Leben in Freiheit gestalten können. Deshalb ist „Vorsorgen statt Versorgen“ unsere Leitplanke. Wir wollen mit unserer Arbeit in den Kooperationsländern der deutschen Entwicklungspolitik Strukturen gestalten und verbessern, und zwar nachhaltig.

Rotierende Seiten: Im Juli 2011 trafen Sie Bill Gates in Berlin, und das BMZ schloss einen Vertrag mit der Bill and Melinda Gates Foundation. Welchen Einfluss hat sie auf die moderne Entwicklungshilfe, und warum wurde mit keinem Wort Rotary International erwähnt? Schließlich ist Bill Gates selbst Rotarier, und es gibt die US$200 Million Challenge mit der Unterstützung von 355 Millionen Dollar der Gates Foundation bis 2012.

Hans-Jürgen Beerfeltz: Die Bill and Melinda Gates Foundation ist einer unserer internationalen Partner, und ein großartiges Beispiel dafür, wie deutsche Entwicklungspolitik sich mit Partnern aus der Zivilgesellschaft zusammentut, um gemeinsam Ziele wirksam zu erreichen. Bill Gates war im April 2011 zu Gast bei uns in Berlin. Wir haben eine Vereinbarung zur engeren Zusammenarbeit unterschrieben. Die Partnerschaft beginnt mit einer gemeinsamen Beitragserhöhung zur Impfinitiative GAVI, der „Global Alliance for Vaccination and Immunization“, wobei das BMZ zusagt, seine Finanzierung durch innovative bilaterale Mittel zu erweitern. Dabei werden wir gemeinsam vor allem auf innovative Finanzierungsinstrumente für Entwicklung und auf stärker an Ergebnissen orientierte Arbeit schauen. Dass Bill Gates auch Teil des Netzwerks der Rotarier ist, eröffnet uns die unschätzbare Möglichkeit, viele weitere Engagierte anzusprechen und einzubinden. Das wollen wir aktiv tun!

Rotierende Seiten: Wie bewerten Sie insgesamt die Arbeit der zwei größten Service Clubs Rotary und Lions?

Hans-Jürgen Beerfeltz: Sie sind beeindruckende Beispiele von zielgerichtetem Engagement aus der Mitte der Gesellschaft, die zeigen: Entwicklungspolitik ist kein Nischenthema für Romantiker! Ganz viele Menschen mit viel Kraft, die mitten im Leben stehen, haben Lust, sich entwicklungspolitisch zu engagieren. Diese Menschen wollen wir erreichen und ermutigen, sich uns anzuschließen – ganz im Sinne unseres Jubiläumsmottos „Wir machen Zukunft – machen Sie mit!“.

Rotierende Seiten: Was sollten die Service Clubs unternehmen, damit sie in der Öffentlichkeit positiver gesehen werden?

Hans-Jürgen Beerfeltz: Unser leuchtend gelber Faden muss sein: Tue Gutes und rede darüber! Dabei geht es nicht um Eigenlob, sondern darum, die vielen Innovationen und Chancen klarzumachen, die Entwicklungspolitik und Engagement für andere Menschen, für die Menschen in unseren Kooperationsländern, aber genauso auch für uns bietet! Nur, wenn wir unsere Erfolge auch bekannt machen, können wir in der Gesellschaft eine breite Unterstützung und Akzeptanz für Entwicklungspolitik erreichen – die wir letztlich auch brauchen, um Steuermittel für Entwicklungszwecke einzusetzen. Die Faktoren bedingen sich gegenseitig: Nur so schaffen wir auch weitere Anreize für Menschen, die sich engagieren wollen!

von RR