Enrico Verworner – ein Fotograf bewegt

Illuminationen von Gebäuden, Wahrzeichen oder Kunstobjekten wecken das Interesse der Bürger und Unternehmen. Mit Licht, so scheint es, können Emotionen am besten geweckt oder dargestellt werden. Das zeigten auch die Illumination am Brandenburger Tor, am Rande der Veranstaltungen der „Religionen auf dem Weg des Friedens“ am 11. September 2011 in Berlin oder die seit Jahren im Oktober in Berlin stattfindenden Festival of Lights.

Wir möchten Ihnen Enrico Verworner, einen jungen Fotografen, vorstellen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Lichtilluminationen mit der Kamera festzuhalten und zu einem Kunstobjekt zu machen und führten folgendes Interview.

Sie sind 1976 in Hoyerswerda geboren und waren zur deutschen Wiedervereinigung 13 Jahre alt. Wie haben Sie die Wende erlebt und warum sind Sie von Hoyerswerda nach Berlin gezogen und nicht nach München oder Hamburg?

Ich war damals mitten in der Pubertät, da war man nicht wirklich politisch interessiert. Aber wir haben natürlich alles per TV verfolgt und waren auch auf einen Kurzbesuch im „neuen“ Berlin. Vielleicht war es da schon vorprogrammiert, dass ich hier meine zweite Heimat finde werde. Nach Berlin trieb es mich, weil hier jeder seine Ecke findet, wo er sich wohlfühlen kann. Der Raum für Kreativität ist und war auch damals unendlich. Die Stadt hat einfach alles, ist weltoffen, halt Berlin. Gab es da je Vergleiche mit anderen Städten und hatte ich da je eine andere Wahl? Nicht wirklich!

Im Oktober 2011 findet das 7. Festival of Light in Berlin statt, seit wann sind Sie dabei und wie können Sie sich als Fotograf verwirklichen?

Ich fotografiere das Festival of Lights schon seit 5 Jahren. Es begann als Auftrag für Fotostrecken für berlin.de/berlinonline.de. Es war sehr erfolgreich und die Veranstalter wurden auf mich aufmerksam. Damit ergab sich für mich das Projekt „Berlin Lights“. Diese Ausstellung ist wirklich eine Besonderheit. Eine Mischung aus Musik, Licht (Nordlichtlaser) und bewegten Fotografien bilden ein Gesamtwerk, was gleichzeitig auch als offizielle Lichtkunstinstallation des „Festival of Lights“ präsentiert wird. Zu den Bildern: es sind manuelle Techniken und Tricks, die während der Aufnahme passieren und nicht durch Bildbearbeitung beeinflusst wurden. Das verwirklicht meine Idee von grenzenloser Kreativität, denn jede Aufnahme wird dadurch zum Experiment und ist somit ein Unikat.

Sie erhielten 2010 den silbernen Foto Oskar, gibt es noch andere Auszeichnungen bzw. Ehrungen?

Den silbernen FotoOskar 2010 bekam ich durch eine Fachjury, die diesen internationalen Preis jedes Jahr für Azubis und Profis ausschreibt. Herr Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin, überreichte mir diese Auszeichnung als Botschafter Berlins für meine fotografischen Arbeiten im Berliner Leben. Ich sollte öfter an Wettbewerben teilnehmen. Leider lässt das meine Zeit nicht sehr oft zu, daher halten sich die Preise in Grenzen. Ich bin aber auch für jedes Feedback meiner Arbeiten dankbar, das ist viel Wert und treibt mich auch weiter an.

Vom 11. bis 23. Oktober 2011 findet in der Wassergalerie Ihre Ausstellung „Berlin Lights- Eine Hauptstadt im farbigen Lichtermeer“ statt. Welche Empfehlungen geben Sie, was muss man sehen?

Also für alle, die nicht jede Nacht durch Berlin streifen können, weil früh der Wecker ruft, folgender Tipp für einen Abend/Nacht: Start am Alex – Berliner Dom – Unter den Linden – Brandenburger Tor – Potsdamer Platz. Diese Tour habe ich letztes Jahr mit meinem Berlinbesuch gemacht und auch dieses Jahr ist der Potsdamer Platz wieder Zentrum des Festival of Lights und wäre somit ein tolles Finale.

Sie sind noch sehr jung und haben bereits große Erfolge und geben diese als Praxisdozent in einer Berliner Fotoschule weiter. Engagieren Sie sich auch in sozialen Einrichtungen oder für in Not geratene Kollegen?

Vielen Dank, aber ich habe schon sehr früh mit der Fotografie begonnen und bin immer noch mit Leidenschaft dabei. Es macht Spaß als Dozent mit der neuen digitalen Generation zu arbeiten. Man gibt Wissen weiter und bekommt gleichzeitig auch neue Ansichten vermittelt. Daher engagiere ich mich auch für die „Gelbe Villa“ hier in Berlin. Dort kann sich der kreative Nachwuchs auf vielen Ebenen austoben. Es gibt dort Kurse wie Schauspielerei, Malerei, Modedesign, Keramik und natürlich Fotografie (sogar mit einem analogen Fotolabor). Bei meiner letzten Ausstellung „The Face of Art“ konnte ich schon erfolgreich Gelder sammeln und auch diesmal wird wieder eine kleine selbstgebastelte „Gelbe Pappvilla“ in der Galerie stehen, mit einem Mitarbeiter, der bei der Vernissage auch ausführlicher Infos über dieses Projekt geben kann. Ich freue mich auf einen interessanten Oktober und wünsche allen Fotografen und Fotobegeisterten beim Berliner Lichterfest „Gut Licht“.

von RR