Leslie Mandoki – Gestalter und Weltstar

Vor einigen Wochen traf ich in Berlin Leslie Mandoki. Während unseres Gespräches habe ich festgestellt, dass wir ein Jahrgang sind und wie ich glaube, hat der 53. Jahrgang etwas Besonderes, er ist der beste. Der Mann hat etwas, seine Augen strahlen Geheimnisvolles aus. Wenn er anfängt aus seinem Leben zu erzählen, in einem hervorragenden Deutsch, plaudert er nicht nur über seine Vergangenheit, seine musikalischen Erfolge, sondern zeigt sich auch politisch und gesellschaftlich interessiert.

Eigentlich heißt Leslie Mandoki, der gebürtige Ungar, László Mándoki, der 1975 mit seinen zwei Freunden, Laszlo Bencker und Gabor Csupo, durch einen Eisenbahntunnel von Jugoslawien über Österreich nach Deutschland floh. Mandoki, der zu dieser Zeit kein einziges Wort Deutsch sprach, wollte zuerst nicht nach Deutschland sondern nach Skandinavien fliehen. Aber das Schicksal wollte es anders. Mandoki und Bencker blieben in Bayern hängen und Gabor Csupo zog es nach Hollywood. Heute lebt Mandoki mit seiner Familie in Tutzing am Starnberger See und sagte im Interview: „Nach 35 Jahren ist es jetzt Zeit inne zu halten, zurück zu blicken und einfach ‚Danke’ zu sagen“, oder wie Mandoki in der Sprache des Musikers zu sagen pflegt: „So let the music make the talking, it’s time to say THANK YOU’.“

Leslie Mandoki hatte das große Privileg, als Songschreiber und Produzent das Vertrauen herausragender Künstler genießen zu dürfen. So schrieb er z.B. anfangs Songs für Amii Stewart und Jennifer Rush, schuf mit Joshua Kadison ein wunderbares „Americana“-Album und hatte die Ehre, mit Lionel Richie zu komponieren und produzieren. Die Arbeit mit Chaka Khan oder den Temptations entführte ihn in die emotionale Welt von Motown, mit den Toto-Musikern in den Rock und mit den Brecker Brothers und Al Di Meola in den Jazz, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Darüber hinaus ist Mandoki besonders dankbar für die vielen spannenden und ambitionierten Kino-Produktionen als Musical Director für Disney – von „Mulan“ über „Atlantis“ bis zur Arbeit mit Phil Collins am Grammy- und Oscarprämierten „Tarzan“ und „Bärenbrüder“ oder auch Elton John’s „Road To El Dorado“ für Dreamworks.

Bei ihren zahllosen Konzerten gesellten sich auch viele einflussreiche Stars wie Robin Gibb (Bee Gees), Roger Hodgson (Supertramp), Jon Lord (Deep Purple), Chris de Burgh oder Peter Frampton zu Leslie Mandoki. Aber auch aus seiner Heimat Deutschland fanden große Talente, von Peter Maffay über Ikone und Panikrocker Udo Lindenberg, vom „jungen“ Deutschen Stern am internationalen Jazz-Trompeterhimmel Till Brönner bis zu Crossover-Genius David Garrett ihren Weg zu Mandoki‘s Soulmates.

Leslie Mandoki ist Musiker und Musikproduzent, besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft und ist das beste Beispiel erfolgreicher Integration in Deutschland. Mandoki studierte am Musikkonservatorium Budapest und da in Ungarn an den Schulen nur Russisch gelernt wurde, brachte sein Vater ihm Englisch bei. Er wusste, ohne die deutsche und englische Sprache sprechen zu können, kommt man nicht weiter und mit dieser Erkenntnis erzog Mandoki auch seine drei Kinder, die neben Deutsch und Englisch natürlich auch Ungarisch sprechen.

Die Flucht aus Ungarn, die deutsche Wiedervereinigung und die vielen intensiven Begegnungen mit Michael S. Gorbatschow haben auch den Menschen Mandoki geprägt. Seine Welterfolge als Frontmann von Dschinghis Khan, als Musikproduzent bis zum Musical Director des Volkswagenkonzerns, seine persönlichen Gespräche mit Regine Sixt, Edmund Stoiber, Ilse Aigner, Michail Gorbatschow, Bill Clinton, Hans-Dietrich Genscher, Ulrich Wilhelm und Sigmund Gottlieb, um nur einige zu nennen, helfen ihm heute dabei.

Als am 09. November 1989 die Berliner Mauer fiel, war Mandoki nicht in Berlin, seine erste Tochter wurde geboren und es war der schönste Tag seines Lebens. Neun Tage wurden aus diesen beiden Anlässen Freudenfeste gefeiert. In Ungarn geboren, in Bayern zu Hause, fühlt er sich seit dieser Zeit den Ostdeutschen sehr nahe. Seine Erfahrungen in einer Diktatur aufgewachsen zu sein, macht es ihm leichter sich in die Probleme der Ostdeutschen einzufühlen. „Ungarn hatte zwar auch eine Diktatur, aber sie war liberaler als die in der DDR“, und sagt weiter: „Entweder du bist für einen Schießbefehl oder dagegen, entweder du bist für Zensur, Bespitzelung, Folter oder dagegen. Die Sehnsucht nach Freiheit und freie Entfaltung sind die wichtigsten Grundlagen für einen Künstler und das kann auch Mauern niederreißen.“ In einem Interview in der SuperIllu wird Mandoki gefragt, wie er ein typisches Streitthema in Ostdeutschland sieht und antwortet: „Es gibt keine stolzeren Biografien als die der 16 Millionen Ostdeutschen. Wer sonst hat jemals eine Diktatur zu Fall gebracht, ohne dass nur ein einziger Schuss gefallen ist.“ Vielleicht ist es auch der Grund, warum Leslie Mandoki mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel befreundet ist und die aktuelle Musik des CDU Wahlkampfes produzierte.

In Kooperation und unter Schirmherrschaft von Michail S. Gorbatschow produzierte er ein musikalisches Crossover-Projekt aus orchestraler Popmusik auf Basis traditioneller russischer Melodien, als Zeichen die Jugend Europas näher zu bringen und um kulturelle sowie politische Barrieren zwischen Ost und West einzureißen.

Beeindruckend veranschaulichten José Carreras und Axel Bulthaupt die wichtige Arbeit der José Carreras Leukämie-Stiftung. Bei der Carreras Gala 2005 waren unter vielen Stars auch Bobby Kimball und Leslie Mandoki für das Spenden sammeln aktiv.

Im Januar 2005 begleitete Mandoki das „50-Jahre-Rock“-Lineup, die mit einem Bambi ausgezeichnete ZDF Fundraising-Gala zugunsten der Tsunami-Opfer. Bei der Sendung, die als die TV-Show mit dem höchsten Spendenerlös aller Zeiten in das Guinness-Buch der Rekorde einging, saß Leslie Mandoki persönlich an einem der Spendentelefone. Auch der finale Song dieser Charity-Gala wurde von den Mandoki Soulmates performt. Mit dabei waren: Jon Lord, Greg Lake, Paul Carrack, Ian Anderson, Bobby Kimball und der überaus erfolgreiche junge Shooting-Star Katie Melua.

Als besondere Erfüllung empfindet er auch den Brückenschlag zwischen Musik und anderen Bereichen unserer Gesellschaft, dem sogenannten „Branded Entertainment“, bei dem er mit Musik Bewegungen emotionalisieren kann. So erlebt er heute in musikalischer Umgebung wertvolle und intensive Begegnungen mit Gestaltern, Meinungsbildnern und Entscheidern, mit Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Medien und Kunst.

Neben seinem persönlichen gesellschaftlichen Engagement stehen auch die wirtschaftlichen Erfolge für Leslie Mandoki in Deutschland. So ist es für ihn eine Ehre und Herausforderung, für die Ingenieurkunst der Volkswagen-Familie zu arbeiten. Jeder erinnert sich an die „100 Jahre Audi“-Symphonie, das Megakonzert mit 16 Weltstars in der Volkswagen-Arena oder an das Multimedia-Spektakel des Volkswagenkonzerns bei der Autoshow in Paris, wo er für die musikalisch-dramaturgische Gestaltung verantwortlich war. Jeder weiß, dass bei Produktionen, ob für die Audi AG, VW AG oder Allianz AG richtig Geld zu verdienen ist. Mandoki sagt aber und meint das als Kompliment: „Geld interessiert mich nicht, es ist mir eine Ehre für Persönlichkeiten wie VW-Chef Martin Winterkorn und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch zu arbeiten, da die Ingenieurskunst gerade für mich als Künstler besonders beeindruckend ist. Diese Menschen haben sehr sensible Persönlichkeiten, sind hochgebildete, sehr kreative Gestalter unseres Landes, die es mit viel Kraft und Ausdauer schaffen, ihre Ideen und Visionen Realität werden zu lassen und man darf sie ohne Übertreibung als Jahrhundertingenieure bezeichnen.“

Wir könnten Seiten und sogar Bücher über Leslie Mandoki schreiben, vom Kampf gegen Intoleranz, von Integration, vom Verständnis über das Wort „Leitkultur“ bis hin zum Wertesystem. Antworten finden Sie auf seiner Homepage www.mandoki.net. Beenden wir unseren Beitrag mit seinem Motto: „Lebe deine Träume und träume nicht dein Leben!“

von RR