Wolf Kahl – ehrenamtliche Tätigkeit verpflichtet

Seit Februar 2011 gibt es in Brandenburg einen neuen Präsidenten des Oberlandesgerichts. Wolf Kahl erhielt vom Justizminister Dr. Volkmar Schöneburg seine Ernennungsurkunde und wieder wurde ein aktiver Rotarier in eine bedeutende Führungsfunktion gewählt.

Wolf Kahl ist ein Mann aus dem Westen, der seit 1994 mit der Stadt Brandenburg an der Havel eng verbunden ist. Er wurde 1950 in Köln geboren. Nach Schule und Studium der Rechtswissenschaften, ebenfalls in Köln, trat er dort im November 1977 in den Richterdienst ein und wurde 1980 Richter am Amtsgericht. Nach mehr als zehnjähriger Tätigkeit am Amtsgericht und zeitweiliger Abordnung an das Oberlandesgericht Köln wurde Wolf Kahl zum 1. Oktober 1991 an das Ministerium der Justiz des Landes Brandenburg abgeordnet. Hier wartete eine seiner wichtigsten Aufgaben auf ihn, der Aufbau des Brandenburgischen Oberlandesgerichts. Am 1. August 1997 wurde seine Arbeit mit der Ernennung zum Vorsitzenden Richter am Oberlandesgericht gekrönt und er wurde 2006 Vizepräsident des Oberlandesgerichts. Seit dieser Zeit leitet er auch den 1. Zivilsenat, der u.a. für Pressesachen zuständig ist.

Wolf Kahl ist durch seine langjährigen ehrenamtlichen Tätigkeiten in der Brandenburgischen Justiz allseits bekannt: seit 1994 im Vorstand und von 1998 bis 2006 als Vorsitzender des Deutschen Richterbundes, Landesverband Brandenburg. Seit vielen Jahren ist er stellvertretender Vorsitzender der Einigungsstelle der Stadt Brandenburg an der Havel. Er engagiert sich seit 1994 in der Brandenburger Juristischen Gesellschaft, wo er seit 2006 auch deren Vorsitzender ist. Seit 1996 ist er Mitglied im Rotary Club – Brandenburg und war 2005/2006 dessen Präsident. Die Kultur in der Stadt fördert er als Mitglied des Kuratoriums der Wredowschen Zeichenschule und des Theaterfördervereins. Als Senator des Brandenburger Karnevalsverein (BKC) schätzt und fördert er neben dem „Spaß an der Freud“ dessen ausgezeichnete Jugendarbeit.

Seine Ernennung war für uns Anlass, Wolf Kahl vorzustellen und wir führten mit ihm folgendes Gespräch:

Sie sind bei Rotary 1996 Mitglied geworden, warum?

Im Wesentlichen aus zwei Gründen: Ich war beruflich seit Oktober 1991 in der neu aufzubauenden Justiz des Landes Brandenburg tätig. Meine Familie ist mir 1994 aus dem Rheinland nach Brandenburg an der Havel gefolgt und der dort seit 1992 bestehende Rotary Club war ein wunderbares Beispiel gelungener deutscher Einheit. Die Möglichkeit ihm beizutreten war deshalb eine hervorragende Gelegenheit, durch Pflege der Freundschaft sich anderen nützlich zu erweisen. Zum Anderen war der Rotary Club geeignet, die Grundsätze des demokratischen, sozialen und freiheitlichen Rechtsstaates durch verantwortungsbewusste private, geschäftliche und öffentliche Betätigung seiner Mitglieder innerhalb seines Gemeinwesens zu fördern.

Rotary ist einer der größten Service Clubs und Sie engagieren sich im Beirat des Distriktes 1940 im Berufsdienst. Was konnten Sie seit dieser Zeit bewegen?

Ich habe versucht, den Berufsdienst als rotarische Kernkompetenz wieder mehr in den Vordergrund zu holen. Mein Appell an die 22 Clubs des Distrikts, die 2009 noch keinen Beauftragten für den Berufsdienst hatten, hat zumindest dazu geführt, dass es zur Zeit nur noch 7 solcher Clubs gibt. Außerdem waren rund 40 Clubs beim Tag des Berufsdienstes im Oktober 2011 vertreten. „Der Berufsdienst ist nicht nur irgendeine Rotary-Tradition, er ist die Basis, auf der unsere gesamte Organisation aufgebaut wurde. Er war und bleibt für unseren Erfolg von größter Bedeutung.“(John Kenny, RI Weltpräsident 2002/10)

Sie sind beruflich aktiv, viele Rotarier sind bereits in den Ruhestand getreten. Wie schätzen Sie die Entwicklung von Rotary ein und was müsste aus Ihrer Sicht unternommen werden, um Rotary für alle Berufsgruppen interessanter werden zu lassen, Stichwort Mitgliederwerbung?

Von einer regelrechten Werbung um neue Mitglieder halte ich persönlich gar nichts. Jeder Club und jeder Rotarier sollte sich durch Wort und Tat in der Öffentlichkeit so darstellen, dass eine Mitgliedschaft für Dritte besonders erstrebenswert wird.

Was hat Ihnen die Mitgliedschaft bei Rotary im rotarischen Leben und im beruflichen Leben gebracht? Heißt es doch bei Rotary seit 1929, dass eine Vermischung von rotarischen und beruflichen Belangen, Informationen und Hinweisen nicht statthaft ist. Wie sehen Sie das?

Im privaten Bereich habe ich neue gute Freunde im In- und Ausland gefunden. Eine Vermischung von privaten und rotarischen Belangen gibt es nicht. Als Richter muss man einzelne Prozesse verhandeln, in denen Rotarier aus dem eigenen Club Parteien sind. Dann ist eine mögliche Befangenheit im Einzelfall genau zu prüfen. Dazu gibt es bereits Entscheidungen mehrerer Oberlandesgerichte, die alle zu Recht eine generelle Befangenheit allein wegen der Mitgliedschaft ablehnen.

Vielen Dank für das Interview.

von RR