Lichtkünstler Oliver Bienkowski

Oliver Bienkowski, 1982 in Kassel geboren, begann seinen beruflichen Lebensweg zunächst ganz bürgerlich. In Norddeutschland, am Timmendorfer Strand, gründete er, noch vor seinem Fachabitur, eine Firma für IT-Sicherheitsdienstleistungen. Er entwickelte eigene Produkte, wie zum Beispiel Mehrmonitor-Halterungen für Broker und Stromkonzerne, machte seinen Abschluss in Wirtschaftsinformatik und erhielt von der IHK Hamburg die Ausbildergenehmigung in den Bereichen IT-Systemelektronik und Elektrotechnik.

Jedoch gab es, schon seit früher Kindheit, eine große Leidenschaft: Die Begeisterung für Licht. Die Verbindung von digitaler Technik und der Illumination von Gebäuden. Und so entwickelte Oliver Bienkowski eigene Ideen und eigene technologische Umsetzungen, bis er 2007 erstmals Licht-Installationen präsentieren konnte, bei denen er das gebündelte Licht von Lasern verwendete. Das ist seither sein ureigenstes Medium und darauf hat er sich spezialisiert.

Er verbindet, auf diese ungewöhnliche Art und Weise, historische Baudenkmäler, wie zum Beispiel die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche mit Motiven der Vereinten Nationen für den Weltdiabetes-Tag, oder illuminiert das Brandenburger Tor für die Dresdner Bank. Aber auch die Hype-Real-Estate, als Vertreterin moderner Bauwerke, musste sich in Lichtbuchstaben auf ihrer Fassade die Frage gefallen lassen: Wer soll das bezahlen? Auch die Allgäu-Lasernetz-Bergspitzen und die mit Laser bedachten Bismarktürme waren sein Werk. So entreißt Oliver Bienkowski kaum mehr wahrgenommene Denkmäler und Fassaden ihrem Dornröschenschlaf und gibt Denkanstöße.

Eine besondere Inspiration für sein Schaffen bezieht Oliver Bienkowski aus den Kunstwerken von Joseph Heinrich Beuys. Die Weiterentwicklungen der „Sozialen Plastik“ und anderer Projekte wie die „7000 Eichen“ sollen das Lebenswerk von Joseph H. Beuys unvergessen machen.

Auf Ihrer Homepage steht: „Der Mensch erkennt Möglichkeiten. Er lernt. Er spielt. Er entwickelt Ideen.“ Was wollen Sie damit ausdrücken?

Der Mensch ist sich seiner selbst und seiner Umwelt bewusst. Dadurch, dass er nachdenkt und neue Dinge versucht, ist er in der Lage (im Gegensatz zum Tier) Dinge zu verändern und Neues auszuprobieren. Natürlich macht er dabei Fehler, aber er kann Fehler erkennen und sie meistens auch wieder korrigieren. Die Lichtkunst ist ein Ergebnis des Nachdenkens über Gegebenheiten und des Ausprobierens von etwas Neuem. Und das schönste Ergebnis menschlichen Nachdenkens ist etwas, von dem dann hinterher jeder sagt: da hätte doch jeder drauf kommen können.

Sie bezeichnen sich als Lichtkünstler, was verstehen Sie darunter?

Licht ist das Medium, mit dem ich mich am besten ausdrücken kann. Mit ihm kann ich gestalten und bei meinen Mitmenschen bleibende Eindrücke hinterlassen. Mich reizt dabei sowohl das Spiel der Farben als auch der Kontrast von Hell und Dunkel. Das kennt natürlich auch jeder Maler. Bei mir kommt noch hinzu, dass ich begrenzt auf eine kurze Zeit, aber getragen von einem großen Publikum und der Größe der Darstellung auf einer großen Welle der Aufmerksamkeit schwimme. Ich erkläre meine Darstellungen nicht, denn, wie schon beschrieben, das Licht an sich ist meine Ausdrucksweise und nicht irgendwelche Worte oder Erläuterungen.

Internationales Jahr der Wälder 2011. Am 21.3. waren Sie für die Illumination am Brandenburger Tor verantwortlich. Ist es für Sie nur ein Job oder wollen Sie damit auch Ihre persönliche Meinung ausdrücken?

Das war nicht nur ein Job, das ist auch meine persönliche Meinung. Unsere Wälder sind etwas sehr wertvolles, etwas was Menschen weder nachbauen noch verbessern können. Somit sollten wir vor ihnen, wie vor jedem anderen Teil der Natur auch, Respekt haben. Ein alter, gewachsener Wald, also ein Urwald, ist selten geworden in Europa. Und wenn wir vor einem dreihundert Jahre alten Baum stehen dürfen wir gerne so etwas wie Ehrfurcht empfinden.

Sie engagieren sich für Obdachlose, führen Spielzeugsammlungen für Kinder durch oder engagieren sich in Städten und Gemeinden. Was hat Sie dazu bewegt?

Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit mögen als Werte heutzutage etwas abgenutzt klingen. Und vielleicht müsste man inzwischen die Brüderlichkeit auch durch Gemeinschafts-Sinn ersetzen. Ich versuche ein mitfühlender und verantwortungsvoller Mensch zu sein und denen zu helfen, die, durch welche Umstände auch immer, nicht so sehr auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Das haben vor mir und mit mir schon viele andere getan und ich hoffe, dass die Zukunft der Menschen dem Miteinander immer einen großen Stellenwert einräumt.

von RR