Rupert Stadler – ein Vorstandsvorsitzender übernimmt Verantwortung für die Gesellschaft

Wir möchten Ihnen heute Rupert Stadler vorstellen, der seit 2007 Mitglied im Rotary Club Ingolstadt ist.

Rupert Stadler wuchs 1963 in Wachenzell im Landkeis Eichstätt als Sohn eines Bauern auf. Nach dem Besuch der Knabenrealsschule studierte er an der Fachhochschule Augsburg Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Unternehmensplanung/Controlling sowie Finanz-, Bank-, und Investitionswirtschaft und schloss das Studium mit dem Titel Diplom-Betriebswirt (FH) ab.

Seine berufliche Laufbahn begann bei Philips Kommunikation in Nürnberg. 1990 wechselte er zur Audi AG ins Controlling. 1994 war Stadler Kaufmännischer Geschäftsführer bei der Volkswagen-Audi España S.A. in Barcelona, bevor der Aufsichtsrat der Audi AG ihn 2006 zum neuen Vorstandsvorsitzenden am 1. Januar 2007 wählte. Hier trat er die Nachfolge von Martin Winterkorn an, der als Vorstandsvorsitzender zum Mutterkonzern Volkswagen AG wechselte.

Neben seiner rotarischen Mitgliedschaft ist Rupert Stadler Mitglied des Hochschulrats der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und im internationalen Beraterkreis der Atlantik-Brücke e.V.. Rupert Stadler wurde Unternehmer des Jahres 2010 und erhielt vom Freistaat Bayern den bayerischen Verdienstorden 2010. Das 50-jährige Bestehen seines Rotary Club Ingolstadt feierte er gemeinsam mit dessen Mitgliedern und Ministerpräsident Horst Seehofer am 29. November 2010 im Audi Forum.

Im Interview habe ich mit Rupert Stadler zur aktuellen Situation von Rotary gesprochen:

Warum ist man Mitglied im größten Service-Club der Welt?
Wer hier Mitglied ist, stärkt seine Wurzeln in der Heimatregion und vernetzt sich darüber hinaus in die ganze Welt. Der Club bringt Menschen zusammen, erlaubt ihnen den Blick über den eigenen Tellerrand und bietet Rückhalt. Und: Er nimmt Verantwortung für die Gesellschaft wahr.

Welche Projekte sollten 2010/2011 verstärkt werden, um der Öffentlichkeit zu zeigen, was Rotary Gutes tut?
Meiner Ansicht nach sollten es vorrangig Projekte sein, die der Heimatregion des Clubs zugute kommen. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass der Club sich eines der Problemviertel der Stadt annimmt und hier Jugendarbeit macht. Es ist ja ein großes gesellschaftspolitisches Thema, dass Kinder aus bildungsfernen Familien in Deutschland kaum Chancen haben. Wer etwas Relevantes tun will, könnte hier ansetzen – das ließe sich auch medial gut vermarkten und würde das Renommé und damit die Attraktivität des Clubs steigern.

Wie sehen Sie das Image von Rotary in der Öffentlichkeit und was sollte Rotary tun, um das Image zu verbessern?
Ein Club wie Rotary ist von einer starken Tradition geprägt. Das ist gut, das schützt vor Beliebigkeit. Aber es ist eine Herausforderung, diese Werte in die Zukunft zu tragen. Rotary sollte sich stärker mit seiner Umwelt vernetzen, weniger auf sich selbst bezogen agieren. Für Außenstehende wirken Rotary Clubs oft wie eine Festung, es wird ja auch nicht jeder eingelassen.

Nachwuchssorgen tragen alle deutschen Clubs. Wie können die Rotarier diesem Problem begegnen?
Die Rotary Clubs müssen sich für neue Zielgruppen öffnen. Zum Beispiel für Studenten, ganz sicher für Frauen, Ausgrenzungen dieser Art sind heute nicht mehr vermittelbar. Auch Menschen, die man während der Zusammenarbeit bei sozialen Projekten kennen lernt, könnte man einladen, Mitglied zu werden. Die Vernetzung muss auf eine neue Ebene gehoben werden. Gerade junge Leute haben hier ja heute ganz andere Mittel. Sie vernetzen sich über Facebook und Xing, ordnen sich nicht nur einer einzigen Community zu und denken oft projektbezogen – Rotary ist ihnen vielleicht zu statisch. Wer hier andocken will, braucht Inhalte – der Rotary Club muss meiner Meinung also mehr inhaltlich als clubbezogen denken. Der internationale Jugendaustausch wäre eine ausgezeichnete Ausgangsbasis, man könnte den Teilnehmerkreis erweitern, Stipendien ermöglichen. Die Teilnehmer könnten sich über das Internet vernetzen, das ganze Programm würde schnell noch an Dynamik gewinnen. Und natürlich sollten Teilnehmer des Programms die Möglichkeit haben, dauerhaft Rotarier zu werden. Fazit des Ganzen: Offenheit, Vernetzung mit anderen Institutionen und inhaltliches Denken – das wären meine Ansätze, um den Rotary Club zukunftsfähig zu machen.

Wir bedanken uns für das Gespräch und hoffen auf eine weitere Signalwirkung in den deutschen Rotary Clubs.

RR