Clemens Witt engagiert sich für den Nachwuchs

Heute möchten wir wieder einen Rotaracter und engagierten Manager von ShelterBox vorstellen und haben ihn gebeten, zu folgenden Fragen eine Antwort für unsere Leser zu liefern:

Clemens Witt ist Baujahr 1980 und lebt in Berlin, wo er seit 2002 an der Technischen Universität Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Seine Geburtsstadt Berlin hatte er von 1992 bis 2000 verlassen und wohnte in Bad Schwartau, wo er im Jahr 2000 sein Abitur machte. Von 2000 bis 2002 machte er eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration. Doch neben dem beruflichen Werdegang spielt bei Clemens Witt die Mitgliedschaft im Rotaract Club eine sehr wichtige Rolle in seinem Leben. Noch zu Schulzeiten stieß er über viele Umwege und glückliche Umstände zum Rotaract Club Hansestadt Lübeck dazu und es dauerte nicht lange, bis er verstanden hat, wie die rotarische Familie funktioniert und wie man sich einbringen soll. Seit mittlerweile über zehn Jahren ist Herr Witt nun Mitglied bei Rotaract, seit 2001 natürlich im RAC Berlin. Neben den Clubämtern bekleidete er auch Ämter auf Distrikt- und Bundesebene und war Assistant Distriktsprecher im D1940, Sprecher des Ressort Soziales des Rotaract Deutschland Komitees (RDK) als auch Vorsitzender des RDKs. Seit November 2006 ist er in der Funktion als Affiliate Manager von ShelterBox Germany verantwortlich für das Wachstum dieser rotarischen Hilfsorganisation in Deutschland.

Was macht Rotaract für die Jugend so interessant?

Ich möchte diese Frage erst einmal anders beantworten. Was kann interessant an Rotaract für die Jugend sein? Denn das „so“ impliziert ein wenig, dass uns die Türen eingerannt werden, was leider nicht so ist. Neben dem offiziellen Motto für Rotaract „Leadership through Service“ haben wir auch ein deutsches Motto, welches „Lernen, Helfen, Feiern“ ist. Dieses beschreibt sehr schnell, wie sich unser Clubleben gestaltet. Gelernt wird entweder bei den Meetings durch ein abwechslungsreiches Vortragswesen oder nach dem Motto „Learning by Doing“. Ich glaube, es gibt nicht viele Dinge, die ich in den zehn Jahren bei Rotaract nicht habe machen müssen, die ich vorher noch nie gemacht hatte und ohne Rotaract nie gemacht hätte. Dabei fallen mir Dinge ein wie Theater spielen mit Kindern, Konferenzen organisieren, Workshops halten, etc.. Der Punkt „Helfen“ wird bei uns mindestens genauso ernst genommen. Unser RAC Berlin hat mittlerweile seit sieben Jahren eine feste Partnerschaft mit dem Kinderwohnprojekt Casablanca in Berlin Weißensee und wir sind fester Bestandteil im Leben der Kinder geworden. Da merkt man dann schnell, dass jeder helfen kann und dies auch gar nicht so kompliziert ist. Aber dennoch muss man auch das Helfen lernen und es macht Spaß, wenn man darin von Jahr zu Jahr besser wird. Sei es in dem Umgang mit den Kids oder weil man sich an neuere und größere Sozialaktionen herantraut. Den Punkt „Feiern“ brauche ich sicherlich nicht zu erklären, dass sollte ja selbsterklärend sein.
Ich habe die Frage jetzt wohl eher über Umwege beantwortet, aber einige Facetten aufzuzeigen ist besser, als mit viel Theorie zu kommen. Ich habe eben bewusst den Begriff Clubleben nur einmal verwendet, denn genau daran stören sich viele, die sich nicht ganz sicher sind, ob Rotaract das Richtige für sie ist. Regelmäßigkeit, Verantwortung, Vorbild sein, etc. sind nur einige wenige Begriffe, die im Clubleben wichtig sind. Und genau an diesem Punkt sind sich viele junge Menschen nicht sicher, ob sie dies auch in ihrer Freizeit machen wollen. Es gibt so viel auszuprobieren und darum ist es auch verständlich, dass nicht jeder immer bei Rotaract bleibt.
Nun komme ich aber endlich zur Antwort der Frage. Was macht Rotaract so interessant? Rotaract ist die beste Spielwiese, die ich für mich entdeckt habe. Es gibt nichts, was ich bei Rotaract nicht machen kann. Als Mittelpunkt gibt es die Clubmeetings und die Ämter, die bekleidet werden müssen, aber dies ist ja nur ein kleiner Teil im rotarischen Leben. Drumherum gibt es unendlich viel zu entdecken, als auch in Bewegung zu setzen. Ob es ein Grillfest ist, ein Benefizkonzert mit der lokalen Lieblingsband, die Benefizparty, eine Typisierungsaktion für die DKMS oder Zelten und Übernachten auf dem Ku’Damm mit ShelterBox. Das macht Rotaract so interessant. Gemeinsam mit Gleichgesinnten Aktionen starten, die man alleine niemals umsetzen könnte oder würde. Es gibt bei Rotaract nichts, was man nicht machen kann. Genau das versuchen wir unseren Gästen immer zu vermitteln. Die Meetings sind immer nur der Knotenpunkt, in dem einmal pro Woche alles zusammen läuft.

Warum treten die meisten Rotaracter nicht bei Rotary ein, oder gibt es Hinderungsgründe?

Hinderungsgründe gibt es meiner Meinung nach keine. Dies wird oft behauptet, aber ich kann das nicht wahrnehmen. Wer bei Rotaract Leistung zeigt und sich für die rotarischen Ziele einsetzt wird von den Rotarieren respektiert und mit Erreichen der Altersgrenze von 30 Jahren bei Rotaract auch bezüglich Mitgliedschaft angesprochen. Es gibt manchmal einige wenige Vorbehalte von beiden Seiten, aber sowas ist doch ganz normal. Warum dennoch nur so wenige Rotaracter Rotarier werden, liegt an der Clubstruktur bzw. dem Clubleben der Rotary Clubs. Offen angesprochen werden muss hier der doch oft sehr große Altersunterschied und das daraus resultierende Clubleben. In unterschiedlichen Lebensphasen ergeben sich einfach andere Interessen und auch andere Möglichkeiten. Ein Rotary Club, der junge Mitglieder aufnehmen will, muss z.B. alle seine Meetings auf die Abende verlegen. Ansonsten kann die Präsenz niemals erfüllt werden und wir kennen ja den Spruch: Leere Stühle schließen keine Freundschaften. Ich erinnere mich noch gut an eine Konferenz auf der sich beklagt wurde, dass die jungen Mitglieder keine Zeit für die Meetings hätten. Natürlich hatte dieser Club Meetings zur Mittagszeit. Ich glaube, dass sich hier grundlegend etwas ändern muss.
Oder der Weg, wie er mittlerweile ebenfalls oft gegangen wird. Die Neugründung junger Clubs. Diesen Punkt hat ja auch unser Incoming RI President Ray Klingensmith neulich deutlich herausgestellt. Diesen Ideen stehen jedoch leider auch sehr viele Vorbehalte entgegen. Hier spielt oft die Vorstellung von Konkurrenz zwischen den Clubs viel zu sehr rein. Ich vertrete aber den Standpunkt, dass jeder in einem Club Mitglied sein soll, in dem er sich am wohlsten fühlt. Nur so wird die Rotarierin, der Rotarier am meisten leisten und somit den Zielen der rotarischen Familie am besten dienen.

Was würden Sie sich wünschen, um die Zusammenarbeit zwischen Rotary und Rotaract zu verbessern?

Dieses Thema wird ja sehr oft besprochen und dann wird es oft sehr schnell kompliziert und man fängt an dutzende von verschiedenen Ideen umzusetzen, komplett auf der grünen Wiese geplant. Ich habe einen ganz einfachen Vorschlag, den ich so auch oft kommuniziere. Einfach die regulären Meetings der Rotary Clubs bzw. der Rotaract Clubs besuchen. Einfach vorbei schauen und kennen lernen und daraus eine Regelmäßigkeit werden lassen. Wenn die ersten Freundschaften entstanden sind, dann ergeben sich daraus ganz schnell gemeinsame Sozialaktionen oder Clubveranstaltungen. Freundschaften sind das beste Fundament, um in Zukunft gemeinsam mehr voranzubringen.

Wir danken Clemens Witt für die ausführliche Beantwortung der Fragen.

RR