Alfa Romeo Giulia: die italienische Wundertüte

Alfa Romeo zählt zu den sportlich orientierten und im gehobenen Marktsegment angesiedelten Fahrzeugen. Im Juni 2016 präsentierte Fiat die komplett überarbeitete Alfa Romeo Giulia (wir berichteten). Jetzt wollte ich über einen längeren Zeitraum diese italienische Sportlimousine in Berlin und Umgebung testen und wurde von der Giulia überrascht.

Was der Käufer wissen sollte

Alfa Romeo Giulia in der Ausstattungsvariante „Veloce“ ist eine Mittelklasselimousine, die mit einem 2.0 Turbobenzinmotor (206 kW/ 280 PS), 8-Gang-Automatikgetriebe und Allradsystem (Q4) ausgestattet ist. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 240 km/h bei einem Verbrauch von 6,4 Liter (Werksangabe). Die Abmaße entsprechen einer Mittelklasselimousine: 4.643 Millimeter lang, 1.860 Millimeter breit und 1.450 Millimeter hoch. Der Basispreis beträgt 47.800 Euro. Der Testwagen kostete 57.015 Euro, enthält aber zahlreiche Assistenzpakete, Hi-Fi-Audiosystem, Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Kurven- und Tagfahrlicht und schlüssellosem Ent- und Verriegelungs-System.

Design

Die neue Alfa Romeo Giulia gewann bereits vor der Markteinführung 2016 zahlreiche Siege. Die Leser vom Fachmagazin AutoBild wählten die Giulia in der Kaufentscheiderstudie zur „Besten Marke 2015/2016“. Vom Fachmagazin Motor Klassik erhielt die Alfa Romeo Giulia den „Motor Klassik Award 2016“ und von der Auto Zeitung die begehrte „Design Trophy 2016“. Die Leser sowie die Jury begründeten ihre Wahl: „Die Giulia besitzt ein unverwechselbares Design“. Das kann ich bestätigen, auch ich bin vom italienischen Design begeistert. Ich mag zwar eine rote Außenfarbe, die beim Testfahrzeug leider in „Nero Vulcano“ (schwarz) ausfiel, dafür waren die Sitze in Nero Rosso (rot).

Die neue Alfa Romeo Giulia besitzt ein ausdruckstarkes Gesicht. Die schmalen Scheinwerfer mit dem oberen Tagfahrlicht erinnern an eine sprungbereite Katze. Die lange Motorhaube und das nach hinten verlagerte Passagierabteil mit den ausgeprägten Kotflügeln prägen das Fahrzeug sportlich.

Der Innenraum ist wie ein italienischer Anzug maßgeschneidert. Die Armaturen und die Bedienelemente sind auf den Fahrer ausgerichtet. Die Sportsitze sind super bequem und verleihen einen sicheren Halt. Das Lenkrad liegt gut in der Hand, nur die Schaltwippen sind riesig. Im linken unteren Teil des Lenkrades befindet sich der Startknopf, das ist schon etwas Besonderes. Der Schalthebel auf der Mittelkonsole für die ZF-8-Stufen-Automatikgetriebe sieht wie ein Joystick für ein Computerspiel aus.

Fahrkomfort im Alltagstest

Die Alfa Romeo Giulia ist ja eine rassige Italienerin, aber auch eine Schönheit muss sich im Alltag bewähren. Also den Startknopf gedrückt und den Turbo-Benziner mit 280 PS gezündet. Nicht vergessen, am rechten Hebel für die Bedienung des Scheibenwischers befindet sich der Knopf zum Nullen des Fahrzeugtachos. Der ist wichtig, um die gefahrenen Kilometer und den Benzinverbrauch ablesen zu können. Die Italiener (Werksangabe) geben ein Ziel vor, in 5,2 Sekunden von Null auf 100 km/h und bei 240 km/h ist Schluss. Ich fahre also auch auf einer Autobahn, denn im Berliner Stadtverkehr ist dieser Test nicht möglich. Die Pirellireifen (225/45 vorn und 255/45 hinten) lassen das Fahrzeug wie auf Schienen gleiten.

Nach hunderten von Kilometern muss auch der Tank (58 Liter) nachgefüllt werden. Dafür steht die gelbe Tankanzeige, aber ohne Signalton. Ohne dieses Zeichen und zufällig auch ohne Anzeige der noch zu fahrenden Kilometer bekomme ich Schweißperlen auf dem Gesicht. Wie weit ist es noch zur nächsten Tankstelle? Geschafft, aber eine weitere Überraschung trifft mich. Tankdeckel öffnen und nachsehen, welche Benzinsorte getankt werden kann. Fehlanzeige, die Beschriftung fehlt. Super 95 getankt und es ging weiter.

Endlich am Ziel angekommen, ging ich einkaufen. Bierkästen oder Wasserkästen sind schwer und durch die hohe Ladekante müssen die Kästen angekippt werden. Die Bierkästen lassen sich nach hinten schieben, weil es dem Kofferraum an Höhe fehlt. Für meine Fahrt zum Golfspielen musste ich die Rückbank umklappen, denn mein Golfbag passte in der Länge nicht hinein. Das ging aber problemlos, die Hebel befinden sich an der Decke des Kofferraumes.

Erstaunlich gut funktionierte dagegen die Bedienung des Infotainments. Die Landkarten wurden auf dem 8,8 Zoll-3D-Navigationssystem gut dargestellt, dafür war das Bild der Rückfahrkamera erstaunlich klein ausgefallen. 

Fazit

Die neue Alfa Romeo Giulia ist ein Designfahrzeug, was auffällt. Im Alltagstest entpuppte sich die Giulia als Wundertüte, da die Anzeigen nicht richtig funktionierten. Mein Benzinverbrauch im Stadtverkehr (über 11 Liter) und auf der Autobahn (8,7 Liter, Werksangabe 6,4 Liter kombiniert) war zu hoch. Bei 57.015 Euro muss der Käufer schon sehr verliebt sein, oder?

von RR