Patient – Zahnarzt: ein Erlebnisbericht

Thema Wurzelkanalbehandlung

Es gibt Patienten, die haben vor einem Zahnarztbesuch Angst, Respekt oder sind ganz und gar furchtlos. Mein Patient gehört leider zur ersten Gruppe. Termine absagen, verschieben und andere Ausreden finden ist seine Spezialität. Aber nicht immer gelingt das, vor allem nicht wenn Schmerzen mit im Spiel sind.

Wurzelkanalbehandlung war nach dem letzten Zahnarztbesuch die Analyse. Der Begriff Wurzelkanalbehandlung löst bereits Panik aus und wird verstärkt, wenn man sich im Internet die passenden Videos reinzieht. Aber was soll’s, die Schmerzen müssen weg, vor allem wenn der Zahnarzt erklärt, was alles passieren kann, wenn die Bakterien weiter wandern.

Es geht los. Unterwegs noch der Gedanke: „Haue ab und suche nach einer neuen Ausrede“, da steht der Patient schon vor der Zahnarztpraxis. Der Termin ist gebucht und der Patient darf in das Behandlungszimmer. Beim Hinsetzen geht der Blick auf die Instrumente, Bürsten, Laser, verschiedenen Werkzeuge. Panik, aber der Patient geht noch von einer normalen Behandlung aus. Das Problem zeigt sich erst, nachdem der erste Arbeitsgang erledigt ist. Vielleicht sollte der Patient noch erwähnen, dass der befallende Zahn unter einer Brücke liegt, die gleich acht Zähne umfasst. Nach Aufbohren der Krone stellte die Zahnärztin fest, sie kommt nicht in die Wurzelkanäle. Entscheidung: Krone abtrennen und die Wurzelkanaleingänge freilegen.

Der zweite Teil der Behandlung beginnt. Nach kurzer Zeit, draußen waren eigentlich nur 24 Grad, wurde eine mobile Klimaanlage ins Behandlungszimmer gefahren. Schließlich besteht die Krone aus Zirkon. Die Krone fiel und der Zahn gleich mit. Ups, jetzt war eine Lücke und nur die Wurzel war noch im Oberkiefer fest verankert, wie man später feststellen wird. Die Zahnärztin kommt nicht in die Wurzelkanäle. Sie sind zu. Der Patient könnte zu Spezialisten für Wurzelkanalbehandlungen (Endodontologen) wechseln. „Aber für was soll das gut sein, wenn der Zahn weg ist“, dachte sich der Patient und entschloss sich zum radikalen Ende. RAUS die Wurzel und bitte eine schnelle Beendigung des Spuks.

In der Beratungspause musste der Patient noch schnell die Parkuhr nachfüttern, da nur eine Behandlungszeit von einer Stunde geplant war und nur für zwei Stunden bezahlt wurde. Gut so, denn der Berliner Senat braucht ja Geld, für was auch immer.

Noch eine Spritze und weiter geht es. Während der Behandlung fragte die Schwester den Patienten wie es ihm geht. Er sagte schon keinen Ton mehr, rutschte nur noch tiefer in den Stuhl bzw., da die Wurzel im Oberkiefer lag, machte der Patient schon einen halben Kopfstand (gefühlt). Endlich gab die Wurzel nach. Geschafft. Nach knapp zwei Stunden. Aber der Patient hatte nicht daran gedacht, dass ein winziger Teil der Wurzel im Oberkiefer zurückbleiben könnte und so wurde aus einem kleinen Teil eine große Wirkung. Mühsam holte die Zahnärztin den kleinen Rest heraus. Der Patient denkt heute noch an diese Geräusche. Doch alles hat ein Ende und so auch die Plage mit der Wurzel. Mit doppelter Dröhnung durch die Spritzen, einigen Tabletten, Tupfer und Rechnung konnte der Patient endlich die Praxis verlassen. Bei der Verabschiedung fragte der Patient noch die Zahnärztin, wann die Tabletten eingenommen werden sollen. Sie freundlich: „Gerne gleich, aber wenn Sie ein Indianer sein wollen, dann nehmen Sie keine“. Darauf konnte der Patient nur leise antworten „Sorry, aber mir fehlt die Feder“.

Herzliche Grüße Ihr Patient