Leiser Abschied vom Bürgerfest des Bundespräsidenten?

Vor fünf Jahren führte der Bundespräsident Joachim Gauck mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt ein Bürgerfest anstelle eines Sommerfestes ein.  Der erste Tag ist als Dankeschön für die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer gedacht, die unzählige Stunden freiwilliger Arbeit auf Sportplätzen, in Rettungsfahrzeugen, in Kirchengemeinden und Geschichtswerkstätten, im Umweltschutz und Kulturbereich, für Integration und Inklusion, in Vereinen und Projekten geleistet haben. Der zweite Tag steht unter dem Motto „Tag des offenen Schlosses“ und ist eine Einladung für Alle, die Interesse am Schloss und am Ehrenamt haben.

Das Bürgerfest 

4000 geladene Gäste folgten der Einladung und feierten bei sommerlichen Temperaturen bis spät in die Nacht. Eigentlich sollten nach dem Daimler Sinfonieorchester auf der Parkbühne, Jörg Pilawa und Christine Henning die Rede des Bundespräsidenten ankündigen, aber Joachim Gauck nahm das bei seinem letzten Bürgerfest nicht mehr so genau. Locker und entspannt ging er mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt auf die Bühne, begrüßte den belgischen Premierminister (Partner Land des Bürgerfestes), den Ministerpräsidenten aus Schleswig-Holstein sowie die Bundeskanzlerin Angela Merkel zu diesem besonderen Fest.

In seiner Eröffnungsrede hob der Bundespräsident besonders seine Entscheidung der Umwandlung von einem Sommerfest zu einem Bürgerfest hervor: „Nie zuvor in meinem Leben habe ich so viel über die Freiwilligenarbeit gelernt wie bei unseren Bürgerfesten. Die Gespräche mit Verbänden, Vereinen und Initiativen, mit so vielen leidenschaftlichen Persönlichkeiten haben mir die stärksten Seiten unseres Landes gezeigt. Themen wie der demographische Wandel oder die manchmal schwierige Nachwuchssuche fürs Ehrenamt zogen sich durch alle Jahre. Auch die grundsätzlichen Fragen: Wann wird die Freiwilligenarbeit zum Lückenbüßer? Wie viel Hauptamt braucht das Ehrenamt? Wie können die drei großen Sektoren – Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft – noch besser kooperieren? Wie gelingt Modernisierung im Engagement, etwa durch den Einsatz sozialer Medien oder neue Finanzierungsmodelle wie Crowdfunding? All dies haben wir natürlich nicht zufällig, sondern im Lichte aktueller Ereignisse diskutiert.“ Joachim Gauck hofft, dass sein Nachfolger die Idee eines Bürgerfestes weiterführt.

Vielfalt bewegt – ausgewählte Projekte stellen sich auf dem Bürgerfest vor

Seniorpartner in School (SiS) und Rock your Life!

Unter dem Motto „Generationsübergreifend das Leben rocken“ informierte SiS, wie die Generation 55+ Schulkinder hilft und sie befähigt, Konflikte selbst lösen zu können. Studenten von Rock your Life! (RYL!) begleiten Jugendliche auf dem Weg in den Beruf oder auf weiterführende Schulen. Beide Initiativen bauen Brücken zwischen den Generationen, fördern junge Menschen in ihrer sozialen und emotionalen Entwicklung und eröffnen ihnen Chancen und Perspektiven. Dieses Partnerprogramm war der erste Anlaufpunkt für den Bundespräsidenten, seine Lebensgefährtin und der Kanzlerin.

SOS Kinderdorf Berlin e.V.

Seit über 60 Jahren bietet das SOS-Kinderdorf Kindern in Not ein Zuhause. In Gesprächen mit den Gästen des Bürgerfestes informierten die Mitarbeiter über ihre Erfahrungen einzelner Projekte des SOS Kinderdorf Berlin. Besonders freute sich Michael Rannenberg (Pfarrer i.R.) vom SOS-Kinderdorf Berlin über die persönliche Einladung, er sieht das als Auszeichnung für seine ehrenamtliche Arbeit im SOS-Kinderdorf Berlin.

Über den Tellerrand e.V.

Über den Tellerand macht Integration zu einem nachhaltigen Prozess. Der Verein fördert grenzübergreifende Begegnungen, setzt auf den Austausch der Kulturen und unterstützt die Entstehung einer offenen und toleranteren Gesellschaft. Im Küchencontainer informierten die Initiatoren den Bundespräsidenten und seine Lebensgefährtin über die Erfahrungen der Reise durch Europa. Wie im Ausland wurde der Gastgeber eingeladen, verschiedene Gerichte selbst herzustellen.

Der Abend klang mit einem Höhenfeuerwerk aus. Leider gingen die seit Jahren zur Tradition gewordenen Sammler von Regenschirmen mit der Aufschrift „Bundespräsident.de“, dank des schönen Sommerwetters 2016, leer aus. Aber sicher wird es 2017 wieder ein Fest im Schloss Bellevue geben. Lassen wir uns nach der Wahl überraschen.

von RR